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SPD-Chef im Bericht aus Berlin: Klingbeil gegen Sozialkürzungen und für Gesundheitsabgabe

Lars klingbeil
Lars klingbeil (© ARD-aktuell)

Auf ihrer Vorstandsklausur am Wochenende hat die SPD die Basis für ein neues Grundsatzprogramm gelegt. Dafür müssten auch Gewissheiten in Frage gestellt werden, hatte der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil in seiner Grundsatzrede am Samstag erklärt.

Rückbesinnung auf die Arbeiterschaft

"Wir müssen jetzt stärker in den Mittelpunkt wieder rücken, dass wir die Partei der Arbeit sind, dass wir uns um Menschen kümmern, die in Arbeitsverhältnissen sind, die aber Sorge haben, dass ihre Arbeit vielleicht bei all den Umbrüchen, die wir in der Welt erleben, verloren geht", so Klingbeil weiter. In dieser Hinsicht sei der SPD in den vergangenen Jahren das Profil verlorengegangen.

Dazu gehöre auch, dass man von dieser Arbeit gut leben kann. Vorwürfe der Union, die Deutschen würden nicht genug arbeiten, wies er erneut zurück. Dies sei der "völlig falsche Weg": "Immer so zu tun, als ob der Abbau von Sozialstaat und der Abbau von Arbeitnehmerrechten dazu führt, dass wir wirtschaftlich stärker werden - das teile ich überhaupt nicht."

Strukturreformen bei sozialen Sicherungssystemen

Die wichtigste Voraussetzung, um das Land voranzubringen, sei Wirtschaftswachstum, meint Klingbeil: "Wir brauchen endlich wieder Wachstum nach vier Jahren. Und das eine Prozent, das wir jetzt gerade in den Prognosen haben, das reicht mir nicht. Und dafür müssen wir uns mehr anstrengen." Zudem müssten die sozialen Sicherungssysteme neu aufgestellt werden, mit Strukturreformen, aber nicht "auf dem Rücken der Beschäftigten und der fleißigen Menschen in diesem Land."

Dafür müsse man " hart daran arbeiten, dass unser Sozialstaat effektiver wird, dass die Leistungen viel genauer bei den Menschen ankommen", forderte Klingbeil. Dabei müssten auch Einkommen aus Kapital einen stärkeren Beitrag leisten. Trotzdem müsse auch der Haushalt konsolidiert und weiter gespart werden - zum Beispiel bei Subventionen.

Weitere Einkommen bei Gesundheitskosten mit einbeziehen

Beim Gesundheits- und Pflegesystem begrüße er den Vorschlag, darüber Kapitaleinkünfte stärker einzubeziehen, erklärte Klingbeil: "Ich habe persönlich die Überzeugung, dass wir daran arbeiten müssen, dass alle Menschen, die viel Geld haben und die hohe Vermögen haben in diesem Land - dass die mehr dazu beitragen müssen, dass es gerechter zugeht, dass sie auch Verantwortung übernehmen." In der Beschlussvorlage der SPD zu einer Reform des Sozialstaats wird dieser Vorschlag genannt.

Mit der Einbeziehung von Kapitaleinkünfte oder Mieteinnahmen würde der Kreis der Beitragszahler ausgedehnt. Bislang werden Dividenden oder Mieten nur bei freiwilligen Mitgliedern in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) berücksichtigt und auch hier nur bis zur so genannten Beitragsbemessungsgrenze. "Das ist ein Diskussionsangebot, das wir haben", so Klingbeil. "Wir finden das richtig, dass man das macht."

Linnemann spricht von "Teilzeit-Falle"

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wiederum betonte, dass die Reformen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts als Gesamtpaket kommen müssten, um Belastungen nicht einseitig zu verteilen. Dieses Paket müsse die Bereiche Pflege, Gesundheit, Rente, Arbeit und Steuern umfassen.

Zugleich wehrte er sich dagegen, die jüngsten und umstrittenen Vorstöße aus seiner Partei - etwa zum Thema Teilzeit - als Vorwurf zu verstehen, das Gegenteil sei der Fall. "Die Menschen wollen zum Teil mehr arbeiten, aber die Rahmenbedingungen sind nicht so, dass sich das lohnt." Linnemann sprach von einer "Teilzeit-Falle", in der viele feststeckten. Es brauche mehr Netto vom Brutto, auch seien die Gesundheitskosten zu hoch.

Die Koalition müsse nun beweisen, dass sie die Lohnnebenkosten senken könne. "Beispielsweise würde ich radikal alle beitragsfremden Leistungen bei der GKV rausnehmen", so Linnemann. Es gehe nicht, dass Versicherte für Grundsicherungsempfänger eine zweistellige Milliardenzahl im Jahr bezahlten.

Mit Blick auf den SPD-Vorstoß zu den Gesundheitskosten betonte er Gesprächsbereitschaft, zeigte sich selbst aber skeptisch: "Wenn Sie mich persönlich fragen, würde ich jetzt ausgerechnet nicht die kleinen und mittleren Sparer angreifen." Man werde aber über die Reformvorschläge diskutieren.

Vorschläge zum Mieterschutz: Wie Hubig gegen hohe Mieten vorgehen will

Balkone vor einem Wohngebäude in Dresden.
Balkone vor einem Wohngebäude in Dresden. (© dpa)

Wie können Mieter geschützt werden - etwa vor Kurzzeitverträgen oder teuren, möblierten Wohnungen? Justizministerin Hubig plant dazu eine Gesetzesänderung. Von Opposition und Verbänden kommt Kritik.

900 Euro kalt für 24 Quadratmeter im Erdgeschoss. Drei Stühle, einen Tisch und ein Sofa gibt es dazu. Auf angespannten Wohnungsmärkten sind solche Anzeigen keine Seltenheit. Durch eine spartanische Möblierung versuchen Vermieter, eine höhere Miete zu rechtfertigen und eine etwaige Mietpreisbremse zu umgehen. Oder es werden auf kurze Zeit befristete Mietverträge angeboten. Auch so lässt sich eine Mietpreisbremse umgehen.

Möblierungszuschlag muss "angemessen" sein

Danach sollen Vermieter auf angespannten Wohnungsmärkten ausweisen müssen, wie viel sie wegen einer Möblierung auf die Miete aufschlagen wollen. Und zwar unaufgefordert und bevor ein Mieter signalisiert, dass er die Wohnung gerne haben möchte. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bemängelt fehlende Transparenz: Es sei oft nicht klar, "was der Zuschlag ist für die Möblierung und was die Miete ist".

Kommen Vermieter dem nicht nach, sollen Mieter nur so viel zahlen müssen, wie ohne die Möblierung verlangt werden dürfte. Orientieren können sich Mieter beispielsweise am örtlichen Mietspiegel, der in der Regel durchschnittliche Nettokaltmieten nach Baujahr, Wohnungsgröße, Lage und Ausstattung enthält.

Der Zuschlag muss nach dem Entwurf "angemessen" sein. Dafür soll er sich am Anschaffungswert der Einrichtung orientieren und daran, wie abgenutzt diese bereits ist. Für eine vollständig möblierte Wohnung schlägt das Justizministerium eine Pauschale von fünf Prozent der Nettokaltmiete vor.

Beschränkungen für Kurzzeitmietverträge

Vorübergehende Mietverträge sollen künftig nur noch dann von der Mietpreisbremse ausgenommen werden, wenn sie für maximal sechs Monate abgeschlossen werden. Außerdem braucht es für die Befristung einen besonderen Grund auf Seiten des Mieters, etwa berufliche Gründe wie kurzfristige Projekte, Montagearbeiten oder Praktika.

Bei maximal sechs Monaten ist laut Referentenentwurf davon auszugehen, dass ein Mieter seinen Lebensmittelpunkt nicht dauerhaft in die Wohnung verlegen will, somit wäre eine Kurzzeitmiete gerechtfertigt.

Indexmieten und Schonfristzahlung

Bei einem weiteren Vorschlag geht es um sogenannte Indexmieten, die sich an der Inflationsrate orientieren. Für Mieter kann das zur Belastung werden, wenn die Preise stark steigen - wie es etwa zu Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine der Fall war. Künftig soll die Miete in solchen Fällen um maximal 3,5 Prozent steigen.

Und wer in Verzug mit der Miete geraten ist und dem deshalb die Wohnung gekündigt worden ist, der soll einmalig auch die ordentliche Kündigung abwenden können, indem er die ausstehende Miete zahlt.

Kritik von Opposition und Verbänden

Der Justizministerin ist wichtig zu betonen, dass es "ganz großartige Vermieterinnen und Vermieter" in Deutschland gibt. Für sie soll es weiter attraktiv bleiben, Wohnungen zu vermieten. Bei diesem Punkt regt sich Widerspruch von Haus & Grund. Kai Warnecke von der Interessengemeinschaft der Haus- und Wohnungseigentümer beschreibt den Referentenentwurf insbesondere wegen der erweiterten Schonfristkündigung als "klares Signal an private Eigentümer: Modernisieren und investieren in Deutschland lohnt sich nicht mehr".

Dabei steckt für Vermietende im Entwurf auch eine Möglichkeit, höhere Modernisierungskosten als bisher an die Mieterinnen und Mieter weiterzugeben, bemerkt Ines Schwerdtner, die Chefin der Linkspartei. Künftig sollen Vermieter bis zu 20.000 Euro Modernisierungskosten auf die Mieter umlegen können - für Schwerdtner "ein Skandal". Grundsätzlich begrüßt sie aber, dass "die größten Schlupflöcher beim Mietrecht gestopft werden, also die Indexmieten, die möblierten Wohnungen".

Dennoch geht der Linken der Entwurf nicht weit genug, Schwerdtner fordert einen bundesweiten Mietendeckel. Während die Mietpreisbremse nur in bestimmten Gebieten und nur bei Neuvermietungen greift, würde ein Mietendeckel auch bestehende Mieten begrenzen.

Auch die Grünen reagieren enttäuscht. Hanna Steinmüller, die Wohnungspolitik-Expertin der Grünen-Fraktion im Bundestag, bezeichnet den Entwurf gegenüber der Nachrichtenagentur AFP als "das absolute Minimum im Mietrecht". Die Abgeordnete verweist darauf, dass Mieterinnen und Mietern zu oft unter falschen Vorwänden gekündigt würde, wenn sie auf überhöhte Mieten aufmerksam machen. Von Hubig fordert sie diesbezüglich "wirksame Sanktionen - um dem Wildwest auf den Wohnungsmärkten endlich ein Ende zu setzen".

Weitere Pläne zum Mietrecht

Bevor die Änderungen Gesetz werden können, müssen sie noch mehrere Schritte durchlaufen: Nach der Verbändeanhörung muss das Kabinett sie beschließen und anschließend der Bundestag. Das Ministerium selbst vermeidet eine Angabe, wann das voraussichtlich der Fall sein könnte.

Die jetzt vorgelegten Vorschläge entsprechen den Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag. Bereits umgesetzt wurde die Verlängerung der Mietpreisbremse um vier Jahre.

Im vergangenen September kam außerdem das erste Mal eine Gruppe aus Vertretern von Mieter- und Vermieterorganisationen sowie aus Justiz, Wissenschaft, Praxis und Kommunen zusammen. Sie sollen sich mit Bußgeldregeln bei Verstößen gegen die Mietpreisbremse und bei Mietwucher beschäftigen. Bis Ende 2026 werden Ergebnisse erwartet.

Portugal: Sozialist Seguro gewinnt Präsidentenwahl

Antonio Jose Seguro
Antonio Jose Seguro (© EPA)

In Portugal hat der gemäßigte Sozialist Seguro die Präsidentenwahl gewonnen. In der Stichwahl liegt er Hochrechnungen zufolge deutlich vor dem Rechtspopulisten Ventura, der rund ein Drittel der Stimmen bekam.

In der Stichwahl um das portugiesische Präsidentenamt hat sich der sozialdemokratisch orientierte Politiker António José Seguro Hochrechnungen zufolge klar durchgesetzt. Für den 63-jährigen Politiker der sozialistischen Partei (PS) stimmten 66,6 Prozent der Wähler, berichtete der staatliche TV-Sender RTP, nachdem 98,5 Prozent der Stimmen ausgezählt waren.

In einer ersten Reaktion lobte Wahlsieger Seguro die Menschen seines Landes. "Das portugiesische Volk ist das beste Volk der Welt. Ausgezeichnet. Mit einem enormen staatsbürgerlichen Verantwortungsbewusstsein und einer Verbundenheit mit den Werten unserer Demokratie", sagte er vor Journalisten im Fernsehen. Der konservative Regierungschef Luís Montenegro gratulierte Seguro zum Wahlsieg und zeigte sich zuversichtlich, dass er mit dem nächsten Präsidenten gut zusammenarbeiten werde.

Rasanter Aufstieg der Rechtspopulisten

Seguros Herausforderer, der Rechtspopulist Andre Ventura, kam den Angaben zufolge auf 33,4 Prozent. Schon vor der ersten Wahlrunde hatten 60 Prozent der Befragten gesagt, dass sie auf keinen Fall für den polarisierenden Politiker mit seiner gegen Immigranten gerichteten Agenda stimmen würden.

Dass der 43-Jährige rund ein Drittel der Wähler auf sich vereinigen konnte, gilt aber als weiteres Zeichen für den rasanten Aufstieg der Rechtspopulisten. Nur sechs Jahre nach ihrer Gründung war Venturas Partei Chega (Es reicht) im Mai vorigen Jahres bereits zur zweitstärksten Kraft im Parlament in Lissabon avanciert.

Die Wahl verlief trotz der Probleme durch die heftigen Winterstürme weitgehend störungsfrei. Nur in drei Gemeinden mit insgesamt 37.000 Wahlberechtigten wurde die Wahl wegen der Sturmfolgen um eine Woche auf den 15. Februar verschoben.

Seguro war bei der ersten Wahlrunde am 18. Januar auf rund 31 Prozent der Stimmen gekommen. Von 2011 bis 214 war er Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS), dessen gemäßigten Flügel er vertritt. Ventura erreichte bei der ersten Wahlrunde 23,5 Prozent.

Seit 1986 war in Portugal keine Stichwahl zur Wahl des Staatsoberhauptes mehr nötig gewesen. Der Präsident hat in Portugal keine exekutiven Befugnisse, kann aber in Krisenzeiten das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen oder den Ministerpräsidenten entlassen.

Iranische Friedensnobelpreisträgerin: Weiteres Urteil gegen Mohammadi

Narges Mohammadi (Archivbild: undatiert)
Narges Mohammadi (Archivbild: undatiert) (© via REUTERS)

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi ist erneut zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach Angaben ihres Anwalts ging es um Vorwürfe der Verschwörung. Mohammadi ist gesundheitlich schwer angeschlagen.

Die iranische Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist zu einer weiteren Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Das Gericht habe sie wegen "Versammlung und Absprache zur Begehung von Straftaten" zu sechs Jahren Haft verurteilt, teilte der Anwalt Mostafa Nili mit. Es habe außerdem ein zweijähriges Ausreiseverbot gegen Mohammadi verhängt und sie für zwei Jahre in die Stadt Chosf in der ostiranischen Provinz Süd-Chorasan verbannt.

Mohammadi wurde nach Angaben ihres Anwalts außerdem zu einer eineinhalbjährigen Haftstrafe wegen Propaganda-Tätigkeiten verurteilt. Nach iranischem Recht werden mehrere Einzelstrafen allerdings nicht zu einer Gesamtstrafe addiert, sondern es wird nur die längste Strafe vollstreckt. Das Urteil ist zudem noch nicht rechtskräftig und kann noch angefochten werden.

Hoffnung auf Freilassung aus gesundheitlichen Gründen

Der Anwalt äußerte die Hoffnung, dass Mohammadi aufgrund gesundheitlicher Probleme vorübergehend "gegen Kaution freigelassen werden könnte, um sich behandeln zu lassen". Vor drei Tagen sei sie aufgrund ihres schlechten körperlichen Zustands aus dem berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis in eine Klinik gebracht worden, aber anschließend erneut in den Gewahrsam zurückgeführt worden.

Mohammadi war am 12. Dezember bei einer Trauerfeier für einen tot aufgefundenen Anwalt erneut festgenommen worden. Staatsanwalt Hasan Hematifar erklärte damals gegenüber Reportern, sie habe bei der Gedenkfeier in der nordöstlichen Stadt Maschhad provokative Äußerungen gemacht und die Anwesenden dazu aufgefordert, "normenbrechende Parolen zu skandieren" und "den Frieden zu stören".

Seit zehn Jahren immer wieder im Gefängnis

Die 53-jährige Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. Sie hat einen Großteil der vergangenen zehn Jahre im Gefängnis verbracht und ihre beiden Kinder, die in Paris leben, seit 2015 nicht mehr gesehen.

2023 wurde Mohammadi für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals stellvertretend für sie ihre beiden Kinder in Oslo entgegen.

Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer Haft im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis freigelassen, nach Angaben ihrer Anwälte war ihr zuvor ein Tumor entfernt worden.

Prognosen nach Wahl: Klarer Sieg für Japans neue Regierungschefin

Sanae Takaichi
Sanae Takaichi (© REUTERS)

Bei der kurzfristig angesetzten Parlamentswahl in Japan hat die Regierungspartei von Premierministerin Takaichi Prognosen zufolge mit klarer Mehrheit gewonnen. Das dürfte einen deutlichen Rechtsruck bedeuten.

Die in Japan regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) hat unter der neuen Premierministerin Sanae Takaichi einen klaren Wahlsieg eingefahren. Prognosen japanischer Fernsehsender sagten der LDP nach der Schließung der Wahllokale am Sonntag eine Mehrheit der 465 Sitze im Unterhaus voraus.

Die 64-jährige Takaichi gehört dem rechten Flügel der LPD an. Der von ihr angeführte Block könnte möglicherweise sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit erringen, berichteten NHK und andere japanische Sender.

Konservative Agenda mit Fokus auf Aufrüstung

Der klare Sieg der ultrakonservativen Takaichi kann einen weiteren Rechtsruck bedeuten. Die deutlichen Zugewinne für die LDP und ihre Partner dürften es Takaichi erlauben, ihre konservative Agenda durchzusetzen.

Unter anderem hat sie sich zum Ziel gesetzt, die japanische Wirtschaft zu stärken und die militärischen Fähigkeiten Japans aufzubauen - etwa mit Blick auf den Konflikt mit der Regionalmacht China.

"Ausländerproblem" im Mittelpunkt der Wahlen

Im Wahlkampf stand vor allem das "Ausländerproblem" im Mittelpunkt. Ausländer hielten sich nicht an die Regeln, das Volk fühle sich unsicher, dies werde man "frontal" angehen, versprach die LDP. Auch will sie Ausländer mit verschärften Gesetzen fortan am Kauf von Immobilien hindern. Mit dem Thema gelang es der LDP Beobachtern zufolge, konservative Wähler zurückzugewinnen.

Takaichi hatte im Oktober als erste Frau in der Geschichte Japans das Ministerpräsidentenamt übernommen und Ende Januar das Unterhaus aufgelöst. Damit machte sie den Weg für die vorgezogene Wahl frei.

Thailand: Regierende Konservative gewinnen Parlamentswahl

Thailands Ministerpräsident Anutin nach der Wahl
Thailands Ministerpräsident Anutin nach der Wahl (© AP)

In Thailand hat die Partei des konservativen Regierungschefs Anutin die Parlamentswahl vor der progressiven Volkspartei gewonnen. Allerdings dürfte keine Partei eine klare Mehrheit erringen.

Bei der Parlamentswahl in Thailand ist die konservative Bhumjaithai-Partei stärkste Kraft geworden. Laut vorläufigen Zahlen der Wahlkommission kam die Regierungspartei des amtierenden Ministerpräsidenten Anutin Charnvirakul auf mindestens 192 der 500 Sitze im Repräsentantenhaus.

Die reformorientierte People's Party (PP), der ein Wahlsieg zugetraut worden war, lag mit 114 Sitzen auf dem zweiten Platz. Pheu Thai, das politische Sprachrohr des Milliardärs und früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, folgte mit 78 Sitzen.

Regierungsbildung wohl nur mit Koalition möglich

Anutin erklärte, er nehme das Vertrauen an, das das Volk seiner Partei entgegenbringe, und versprach, allen Thailändern zu dienen. Er freue sich auf die weitere Arbeit mit einem noch stärkeren Kabinett und einer noch stärkeren Regierung. Allerdings dürfte seine Partei den aktuellen Zwischenergebnissen zufolge auf Koalitionspartner angewiesen sein.

Um voraussichtlich schwierige Koalitionsverhandlungen zu vermeiden, bräuchte die konservative Partei eine absolute Mehrheit von 251 Sitzen. Von den 500 Abgeordneten werden 400 direkt gewählt, während 100 weitere aus Parteilisten ausgewählt werden. Grundlage dafür ist der proportionale Stimmenanteil von einem separaten Stimmzettel, auf dem die Parteipräferenz angegeben wird.

Volkspartei kündigt Gang in die Opposition an

In den meisten Umfragen hatte die Volkspartei vorne gelegen. Sie hatte mit Strukturreformen geworben. Ihr Vorsitzender Natthaphong Ruengpanyawut erklärte nun, man respektiere das parlamentarische System. "Wir dem Sieger gestatten müssen, zuerst eine Regierung zu bilden, und derzeit glauben wir nicht, dass wir in Konkurrenz zu Bhumjaithai eine Regierung bilden werden, sagte er.

Anutin hatte die vorgezogene Neuwahl Mitte Dezember inmitten eines Grenzkonflikts mit Kambodscha angesetzt. Analysten werteten dies als einen Schritt des konservativen Politikers, um vom zunehmenden Nationalismus zu profitieren. Er war zu diesem Zeitpunkt weniger als 100 Tage im Amt, nachdem er die frühere Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra von der populistischen Pheu-Thai-Partei nach der Kambodscha-Krise abgelöst hatte.

Verfassungsreferendum offenbar erfolgreich

Die thailändischen Wähler waren zudem aufgerufen, in einem Referendum darüber zu entscheiden, ob eine neue Verfassung die Charta von 2017 ersetzen soll. Dieses vom Militär unterstützte Dokument konzentriert Kritikern zufolge die Macht in undemokratischen Institutionen. Ersten Auszählungen zufolge stimmten die Wähler mit einer Mehrheit von fast zwei zu eins für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung.

Rodeln: Langenhan mit vier Fabelläufen zu Olympia-Gold

Max Langenhan reagiert nach seinem Sieg bei den Olympischen Spielen
Max Langenhan reagiert nach seinem Sieg bei den Olympischen Spielen (© Getty Images)

Max maximal: Wie der alte kommt auch der neue Rodel-Olympiasieger aus Deutschland. Max Langenhan krönte in Cortina seine Karriere - und holte das erste deutsche Gold der Winterspiele 2026. Mit-Favorit Felix Loch hatte mit der Medaillenvergabe nichts zu tun, erlebte aber einen versöhnlichen Abschluss.

Was für eine Demonstration: Mit vier Mal Bahnrekord in vier Läufen ist Max Langenhan zu Olympia-Gold gerast. Der 26-Jährige krönte seine Karriere damit am Sonntag (08.02.2026). Der Thüringer distanzierte den Österreicher Jonas Müller (+ 0,596 Sekunden) und den Italiener Dominik Fischnaller (+ 0,934 Sekunden) auf die Plätze zwei und drei.

Gold widmet Langenhan totem Trainer

"Die Medaille hängt ganz schön schwer. Ich hab schon Nackenprobleme", sagte Langenhan nach dem Wettkampf lachend im ZDF. Mit Nackenproblemen kennt sich der neue Olympiasieger aus, in allen Läufen hatte er mit steifem Nacken zu kämpfen. Und fuhr dennoch Bestzeit. "Es ist schon ganz schön cool", so Langenhan der die Medaille einem Trainer widmete, der "das hier leider nicht mehr miterleben" konnte. "Ich bin super happy."

Langenhan verdoppelt Halbzeit-Führung

Der von Bundestrainer Patric Leitner als "coole Socke" charakterisierte Langenhan führte bereits zur Halbzeit und verdoppelte seinen Vorsprung auf Müller im dritten Lauf mit Bahnrekord von 52,705 Sekunden nahezu auf 0,294 Sekunden. Und legte im vierten Lauf mit einer Zeit von 52,660 Sekunden und Maximalspeed 131,1 km/h noch einen drauf. Vier Läufe, vier mal Bahnrekord - im Ziel konnte er sein Glück nicht fassen, umarmte seine Freundin lange und ließ sich mit der deutschen Fahne feiern.

Auf Rang vier und damit den ersten Nicht-Medaillenplatz hatte Langenhan, der Olympia-Sechste von 2022, nach vier Läufen komfortable 1,421 Sekunden Vorsprung.

"Du musst nur Dein Gehirn überzeugen"

Für Langenhan ist Olympia-Gold noch vor seinen sechs WM-Titeln der größte Erfolg. Und der kommt ein bisschen überraschend. In diesem Jahr lief es noch nicht optimal. Immer wieder hatte der von seinen Teamkollegen als lässig und cool beschriebene Thüringer mit Verletzungen zu kämpfen.

Im Weltcup musste er zuschauen, wie sein deutscher Teamkollege Felix Loch oder Jonas Müller die Siege unter sich ausmachten. Zwei zweite Plätze waren seine besten Ergebnisse. Doch der Friedrichrodaer, der Zuhause unter einem großen Plakat mit dem Spruch "Dein Körper kann alles, Du musst nur Dein Gehirn überzeugen" trainiert, steckte nicht auf.

Rekord-Rodler Loch wird Sechster

Und anders als Weltcupspitzenreiter Felix Loch war Langenhan auf der neu gebauten Bahn im Cortina Sliding Centre zum Saisonhöhepunkt in seiner besten Form. Der dreimalige Olympiasieger Loch hatte dagegen zu viele Fahrfehler. Im ersten Lauf touchierte er gleich auf den ersten Metern die Bande, hatte einen Fahrfehler in der Kurve vier und nur die neuntbeste Laufzeit. Im dritten Lauf passierte ihm kurz nach dem Start wieder eine Bahnberührung, die er mit Kopfschütteln auf dem Schlitten quittierte. Er fiel auf Rang neun zurück.

Im finalen vierten Lauf steuerte der 26-Jährige den Schlitten in starken 53,146 Sekunden die Eisbahn herunter und konnte sich noch verbessern. Am Ende wurde der Rekord-Weltcupsieger und Rekord-Weltmeister Sechster (+ 1,860 Sekunden). Beim Abgang aus dem Zielbereich konnte Loch dann schon wieder lächeln. Seinen Vater, dem früheren Bundestrainer Nobert Loch, umarmte Felix Loch lange.

Grancagnolo bei Premiere Neunter

Der Chemnitzer Timon Grancagnolo wurde bei seiner Olympia-Premiere Neunter. Dem 22-Jährigen fehlten beim Saison-Höhepunkt rund zwei Sekunden auf Olympiasieger Langenhan. Nach einem groben Fehler im dritten Lauf konnte er sich im vierten Durchgang noch um einen Rang von Platz zehn auf den neunten Platz verbessern (+ 2,301 Sekunden).

Zwölftes deutsches Olympia-Gold der Geschichte

Das Langenhan-Gold ist bereits die zwölfte Goldmedaille für einen deutschen Sportler bei insgesamt 17 Einsitzer-Rennen der Männer. Acht bundesdeutsche Athleten und vier DDR-Rodler machten die Titel seit der Olympia-Aufnahme 1964 unter sich aus. Zuletzt triumphierte Johannes Ludwig in Peking 2022.

Biathlon-Mixed-Staffel: Trotz Strafrunde - Deutsche Mixed-Staffel bejubelt Bronze

Das deutsche Team jubelt im Ziel
Das deutsche Team jubelt im Ziel (© getty/steele)

Gleich im ersten Rennen haben die deutschen Biathleten die erhoffte Medaille geholt. In der 4x6-Kilometer-Mixed-Staffel liefen die Deutschen trotz Strafrunde im letzten Schießen zu Bronze. Der Sieg ging an die Top-Favoriten. Auch der Gastgeber durfte sich freuen.

Die deutsche Biathlon-Mixed-Staffel ist im ersten Olympia-Rennen zu Bronze gelaufen. Das Quartett Justus Strelow, Philipp Nawrath, Vanessa Voigt und Franziska Preuß durfte gleich im ersten Rennen am Sonntag (08.02.2026) in Antholz jubeln.

Der Sieg ging an Top-Favorit Frankreich mit Eric Perrot, Quentin Fillon Maillet, Lou Jeanmonnot und Julia Simon (0 Strafrunden/7 Nachlader/1:04:15,5 Stunden) vor Gastgeber Italien Tomasso Giacomel, Lukas Hofer, Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi (0/5 /+ 1:05,3 Minuten).

Preuß-Strafrunde im finalen Anschlag

Nach zuvor sieben fehlerfreien Schießen leistete sich Deutschlands Schlussläuferin Preuß ausgerechnet im finalen Schießen vier Schießfehler und musste einmal in die Strafrunde. Weil Norwegens Maren Kirkeeide aber zweimal die 150-Extrameter laufen musste, sicherte Preuß Bronze ab. Die 31-Jährige überquerte die Ziellinie 1:05,3 Minuten nach Frankreichs Simon.

Preuß: "Nicht gedacht, dass wir das schaffen können"

"Die Medaille bedeutet mir richtig viel", jubelte Preuß im Ziel und im ZDF. "Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass wir das schaffen können", sagte die Ruhpoldingerin und erklärte ihre Schießfehler mit muskulären Problemen und wackelnden Knien: "Ich habe so mit der Nähmaschine gekämpft. Ich weiß nicht, was der Grund ist. Ich kann manchmal auch meine Gedanken nichtz sortieren." Preuß' Lob ging an die Teamkollegen: "Mit der Vorleistung haben wir es geschafft."

Voigt: "Tränen vertrocknet"

Voigt, die ebenfalls wie Strelow und Nawrath ohne Fehler, erklärte: "Ich hab gar keine Worte. Ich habe jetzt ein paar Tränen vertrocknet. Ich hab die beiden Jungs gerade immer wieder fragen müssen, ob das wirklich passiert. Ich bin einfach unglaublich stolz", sagte die Thüringerin.

Strelow: Ohne Fehler auf Rang vier

Deutschlands schießstarker Startläufer Justus Strelow erfüllte den Job, für den ihn das Trainerteam auf Nummer eins gesetzt hatte. Der Sachse schoss schnell und sicher. Zudem konnte der 29-Jährige auf der anspruchsvollen Strecke auch läuferisch mithalten - mit der fünftbesten Laufzeit und fehlerfreiem Schießen übergab Strelow als Vierter hinter Norwegen, Frankreich und Gastgeber Italien auf Philipp Nawrath.

"Froh, dass ich es geschafft habe"

"Ich bin froh, dass ich es geschafft habe", freute sich Strelow nach seinem Lauf im ZDF: "Der ganze Tag ist nicht besonders angenehm. Das ging schon beim Frühstück los. Das ging nicht so gut runter. Das Mittagessen war auch eine Qual." Zu seinem Lauf sagte der zweifache WM-Bronzemedaillengewinner: "Es kommt darauf an. Dass man sein Tempo läuft, dass man es nicht übertreibt. Gerade beim Stehendschießen braucht man etwas Luft. Die kurzen Anstiege verleiten dazu, da drüber zu gehen."

Aus dem Medaillenrennen schoss sich schon beim Startläufer Schweden. Sebastian Samuelsson musste zweimal in die Strafrunde und übergab als 18. Die weiteren Schwedinnen und Schweden konnten zwar viele Plätze gutmachen, mehr als Rang fünf sprang für Samuelsson, Martin Ponsiluoma, Anna Magnusson und Hanna Öberg aber nicht raus.

Nawrath glänzt im Schießstand und der Loipe

Aus dem deutschen Team konnte auch der zweite Läufer Philipp Nawrath überzeugen. Auch der 32-Jährige lieferte ein fehlerfreies Schießen ab und war auf seiner Strecke sogar mit der drittbesten Laufzeit unterwegs. Weil die Konkurrenz wie Frankreichs Quentin Fillon Maillet dreimal nachladen und auch Norwegens Vetle Sjaastad Christiansen einmal nachladen musste, ging Nawrath nach dem Stehendanschlag als Erster wieder auf die Strecke. Bis zum Wechsel zog Christiansen zwar vorbei, doch Nawrath übergab an Nummer zwei auf Vanessa Voigt.

"Brutal, wie es knallt"

"Es ist brutal, wie das erste Rennen gleich knallt", sagte Nawrath nach seinem Rennen mit Verweis auf die anspruchsvolle Höhe von 1.600 Metern. "Bei einigen hat man gesehen, dass es scheppert. Ich habe auch zu kämpfen gehabt mit dem Vetle. Ich hoffe, dass ich die Höhe jetzt besser verkrafte." Zudem hoffte der Ruhpoldinger, dass Deutschlands Schlussläuferin Preuß "die Nerven behält".

Auch Voigt ohne Schießfehler

Auf der dritten Runde kristallisierte sich ein Vierkampf um die drei Medaillenplätze heraus. Neben Vanessa Voigt blieben auch Frankreichs Lou Jeanmonnot, Italiens Dorothea Wierer und Norwegens Karoline Knotten vorn dabei. Doch nur Voigt blieb fehlerfrei. Jeanmonnot musste dreimal nachladen, Knotten zweimal, Wierer einmal.

Das Quartett ging innerhalb von 9,3 Sekunden nach dem zweiten Schießen wieder auf die Strecke. Voigt verteidigte ihren dritten Rang hinter Jeanmonnot und Knotten und übergab auf dieser Position vor Wierer auf Franziska Preuß.

Preuß behielt liegend die Nerven, die fehlerfreie deutsche Serie hielt hier noch. Als Dritte hinter der Führenden Julia Simon (+ 24,4 Sekunden) und nur 5,1 Sekunden hinter Lisa Vittozzi ging die Deutsche nach ihrem ersten Schießen wieder auf die Strecke. Weil sich Norwegens Maren Kirkeeide am Schießstand mehr Zeit nahm, hatte Preuß 5,8 Sekunden Vorsprung auf Rang vier. Das finale Stehendschießen musste die Entscheidung bringen.

Dort waren Simon und Vittozzi schon weg, als Preuß ihre Fehler schoss und einmal in die Strafrunde musste. Weil Kirkeeide sogar zweimal drehen musste, sicherte Preuß Bronze. Die Norwegerin kam mit rund 30 Sekunden Abstand auf die Deutsche als Vierte ins Ziel.

Schwarze deutsche Mixed-Serie beendet

Die Mixed-Staffel stand zum vierten Mal im olympischen Programm. Die Deutschen waren zuvor immer leer ausgegangen. Bei der Premiere 2014 lief das Team als Vierter über die Ziellinie, wurde später aber wegen des Dopingfalls Evi Sachenbacher-Stehle disqualifiziert. In Pyeongchang 2018 kamen die Deutschen auf Rang vier, in Peking 2022 auf Platz fünf. In den bisherigen zwei Saison-Mixed kamen die Deutschen im Weltcup auf Rang acht (in Östersund) und elf (in Nove Mesto).

Olympia-Abfahrt: Aicher holt erste Medaille für Deutschland - Drama um Vonn

Emma Aicher
Emma Aicher (© reuters/niesner)

Emma Aicher hat dem deutschen Team die erste Medaille der Olympischen Winterspiele in Italien beschert. Den Sieg sicherte sich mit Breezy Johnson eine Teamkollegin der schwer gestürzten Lindsey Vonn.

So richtige Freude wollte bei den Medaillengewinnern angesichts der erschütternden Bilder von Lindsey Vonn erstmal nicht aufkommen. Breezy Johnson sicherte sich am Sonntag (08.02.2026) nach dem Weltmeistertitel im Vorjahr nun auch Olympiagold in der Abfahrt.

Nur einen Wimpernschlag dahinter landete Emma Aicher - vier Hundertstelsekunden fehlten ihr auf den ganz großen Coup. Ihre Silbermedaille ist das erste Edelmetall für das deutsche Team bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo. "Es ist ein bisschen unfassbar gerade", sagte die Silbermedaillen-Gewinnerin, die voll auf Angriff ging: "Man muss durchziehen, damit man überhaupt eine Chance hat."

Goggia gewinnt Bronze

Bronze sicherte sich mit Sofia Goggia eine Lokalmatadorin. Die zweite deutsche Medaillenkandidatin Kira Weidle-Winkelmann landete mit großem Abstand auf Rang neun. "Es war ab und zu nicht ganz auf Zug und das kostet bei dem Schnee zu viel Zeit", sagte Weidle-Winkelmann, die sich für Aicher freute: "Es war eine saustarke Leistung."

"Emma ist schon jetzt ein echter Star auf der olympischen Bühne", freute sich DOSB-Präsident Thomas Weikert ungewohnt euphorisch nach der ersten Medaille.

Vonn-Sturz überschattet alles

Das große Thema des Rennens war aber der schwere Sturz von Lindsey Vonn. Die 41-Jährige griff 16 Jahre nach ihrem Olympiasieg in Vancouver erneut nach Gold, scheiterte aber auf dramatische Art und Weise. Sie musste schließlich mit dem Helikopter abtransportiert werden.

Snoop Dogg feuert US-Athletinnen an

Der strahlende Sonnenschein in den Dolomiten machte die eisiger Olympia-Piste noch ein Ticken schneller. Die im Vergleich zum Weltcup mit etwas ausgeprägteren Wellen präparierte Olimpia delle Tofane erlaubte keine oder nur minimale Ungenauigkeiten. Mit Startnummer zwei setzte Ariane Rädler die erste Richtzeit. Mit Nummer drei folgte Lokalmatadorin Federica Brignone. Die Italienerin mit dem markanten Tiger-Helm war in der Vorsaison die mit Abstand stärkste Athletin im Feld, verletzte sich im Frühjahr aber schwer. Für einen Angriff auf Gold sollte es bei ihr nicht reichen.

Die amtierenden Weltmeisterin Breezy Johnson aus den USA brannte angefeuert vom "Ehren-Coach" Snoop Dogg auf der Tribüne mit Startnummer sechs die neue Top-Zeit in den Schnee von Cortina. Die erste, die ihr gefährlich wurde, war Emma Aicher. Die deutsche Allrounderin zeigte eine Fahrt voll auf Angriff, verlor dabei aber zwei Mal zu häufig die Balance und hatte trotz Zwischenbestzeit im Mittelabschnitt im Ziel 0,04 Sekunden Rückstand. Entsprechend ärgerte sie sich im Zielbereich.

"Es hat sich einfach wild angefühlt. Über jeden Sprung hat es mich aufgerissen. Ich hab' nicht das gemacht, was ich machen wollte. Es war trotzdem eine gute Fahrt. Aber so richtig kann ich es nicht einschätzen", sagte die 22-Jährige anschließend im ZDF.

Vonn-Sturz überschattet das Rennen

Zwei Starterinnen später folgte Kira Weidle-Winkelmann. Sie ging nicht voll in den Angriffsmodus und ließ so Geschwindigkeit und vor allem Zeit liegen. Sie war nicht nah genug dran an den Toren und reihte sich zunächst als Siebte ein.

Direkt hinter ihr folgte Vonn. Die US-Amerikanerin blieb bei einem Sprung mit dem Arm in einem Tor hängen und verlor die Balance. Nach dem harten Aufschlagen auf der Piste blieb sie liegen und musste mit dem Helikopter abtransportiert werden.

Nach einer fast 20-minütigen Unterbrechung ging es schließlich weiter. Und mit Sofia Goggia schaffte es tatsächlich noch eine Athletin, die schlimmen Szenen abzuschütteln und in die Medaillenränge nach vorne zu fahren. Kurz vor dem Ende des Rennens musste der Helikopter ein zweites Mal anrücken, als Cande Moreno aus Andorra im Tofane-Sprung zu Fall kam und sich offensichtlich auch schwerer am Knie verletzte.

Diaz trifft dreifach, Kane doppelt: 5:1 nach 1:1 - Als Bayern aufdreht, ist Hoffenheim ohne Chance

Jubel bei Bayern München
Jubel bei Bayern München (© WITTERS)

Dank Harry Kane und Luis Diaz halten die Bayern weiter direkten Kurs auf die Meisterschaft. Hoffenheim spielte gut mit, hatte aber Pech bei zwei Elfmeterpfiffen. Und Manuel Neuers Patzer war am Ende kein Thema mehr.

Vor dem Anpfiff war Borussia Dortmund bis auf drei Punkte an den Rekordmeister herangerückt, doch nach dem 5:1-(3:1)-Erfolg über das Überraschunsteam der laufenden Saison ist der alte Abstand wiederhergestellt. Kane traf gegen die mutig mitmischende TSG zweimal per Strafstoß (20. und 45. Minute), Diaz war sogar dreimal erfolgreich (45.+2, 62. und 89.). Zwischenzeitlich hatte Andrej Kramaric in der 35. Minute den Anschlusstreffer erzielt.

Ilzer enttäuscht, aber auch stolz

Hoffenheim-Coach Christian Ilzer ärgerte sich anschließend im Sportschau-Interview: "Wir sind sehr enttäuscht über das Ergebnis und auch darüber, dass uns so früh die Chance genommen wurde, hier mit elf gegen elf dagegenzuhalten. Wir haben gegen eine der besten Mannschaften Europas gezeigt, dass wir in jeder Phase mithalten konnten, deshalb bin ich auch stolz auf meine Spieler."

Sein Kollege Vincent Kompany war natürlich zufrieden. Er sagte der Sportschau: "Es war eine gute Woche für uns. Wir haben gut angefangen, es ist aber auch ein anderes Spiel, wenn der Gegner nur noch zu zehnt ist. Aber wir haben gemacht, was wir machen mussten und solche Situationen bekommst du auch nur, wenn du so oft im Strafraum präsent bist wie wir."

Bayern hat die ersten Chancen

Von Beginn an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem auch die Hoffenheimer nach Ballgewinnen direkt den kurzen Weg bis zum Torabschluss suchten. Die erste Gelegenheit zur Führung hatten aber in der 4. Minute die Bayern, als Serge Gnabry nach einem Dribbling von Michael Olise knapp am linken Pfosten vorbeizielte. Auch Aleksandar Pavlovic hatte nach einem Patzer von Nationalkeeper Oliver Baumann die Chance zum 1:0, köpfte aber aus kurzer Distanz knapp neben das Tor (10.).

Strittiger Platzverweis gegen Akpoguma

Nach einer guten Viertelstunde griff Schiedsrichter Tobias Stieler dann entscheidend in die Partie ein. TSG-Verteidiger Kevin Akpoguma bedrängte mit robustem Körpereinsatz Luis Diaz beim Abschluss - ein Foul war dabei aber nicht erkennbar. Doch Stieler zeigte auf den Elfmeterpunkt, wurde kurioserweise nicht zum Videoschirm beordert - und stellte Akpoguma dazu noch wegen der vermeintlichen Verhinderung einer Torchance vom Platz.

Kane verwandelte den Strafstoß und hätte sieben Minuten später auch gleich das 2:0 nachlegen können, da schoss er aber aus zehn Metern am leeren Tor vorbei.

Hoffenheim in Unterzahl gefährlicher

Die Gäste blieben allerdings auf Augenhöhe und hatten in Unterzahl plötzlich die deutlich besseren Möglichkeiten. Fisnik Asllani hätte in der 29. Minute bereits den Ausgleich erzielen müssen, doch sein Kopfballaufsetzer aus fünf Metern klatschte an die Latte.

Vier Minuten später war das 1:1 dann aber überfällig, doch Kramaric traf völlig frei vor Manuel Neuer den Ball so schlecht, dass der Bayern-Keeper noch mit einer Hand zur Ecke retten konnte. Auch an dieser Szene war der quirlige Asllani beteiligt, der Jonathan Tah und Dayot Upamecano immer wieder vor immense Probleme stellte.

Neuer patzt schwer

Schuldlos waren die beiden Innenverteidiger des FCB dann aber am Ausgleich, den sich die Gäste klar verdient hatten. Neuer wollte vom eigenen Fünfmeterraum mit einem eleganten Chipball den Aufbau einleiten, sein Pass geriet aber so kurz, dass ihn Asllani aus der Luft pflücken und Kramaric im Zentrum bedienen konnte - diesmal behielt der TSG-Rekordtorjäger die Ruhe und vollstreckte eiskalt.

Bayern übernahm danach wieder die Initiative, die TSG bot in der Rückwärtsbewegung zu viel an. Nach einem Dribbling von Diaz stellte sich Vladimir Coufal im Zweikampf ungeschickt an, ließ den Kolumbianer in den Strafraum eindringen und stellte ihm sein Knie in den Weg. Diaz nahm dankend an und geriet ins Stolpern, Stieler verhängte den nächsten zweifelhaften Strafstoß - Kane verwandelte wieder.

Bayern darf zu Hause kontern

Noch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte sorgte der FCB dann für die Vorentscheidung, weil Hoffenheim plötzlich viel zu wild nach vorn stürmte. Die Münchener durften im eigenen Stadion kontern, Kane bediente Diaz, der mit einem kurzen Hüftwackler Coufal aussteigen und Baumann keine Chance ließ.

Im zweiten Durchgang hielt Hoffenheim weiter dagegen, hatte auch durch Asllani und Kramaric weitere gute Offensivszenen. Doch vor dem Tor blieb Bayern eiskalt. Olise startete nach einer guten Stunde auf rechts durch, passte dann genau im richtigen Moment in die Mitte, wo Diaz einlief und nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte.

Baumann verhindert noch Schlimmeres

Fünf Minuten nach dem 4:1 hätte Kane noch einen weiteren Treffer nachlegen können, doch Baumann lenkte sein Geschoss mit einem Klasse-Reflex an die Latte. In der Schlussphase hätten Lennart Karl und Jamal Musiala weitere Treffer nachlegen können, ehe Diaz kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit auch noch seinen dritten Treffer nachlegte.

Bayern in Bremen, Hoffenheim gegen Freiburg

Die Bayern sind am Mittwoch (20.45 Uhr) im DFB-Pokal gegen RB Leipzig gefordert, ehe am Samstagnachmittag ein Bundesligaspiel bei Werder Bremen ansteht (15.30 Uhr). Hoffenheim empfängt am Samstagnachmittag den SC Freiburg (15.30 Uhr).

Regionales

Baden-Württemberg: Warnstreiks im öffentlichen Dienst: Das ist in BW geplant

Eine Verdi-Fahne ist auf einer Demonstration zu sehen (Archivbild).
Eine Verdi-Fahne ist auf einer Demonstration zu sehen (Archivbild). (© dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Tom Weller )

Bereits Ende vergangener Woche haben Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst gestreikt. Jetzt ruft ver.di zu weiteren Streiks auf. Welche Städte in BW betroffen sind.

Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Landes ab Montag zu Warnstreiks aufgerufen. Dabei fordert ver.di für die Arbeitnehmer sieben Prozent mehr Gehalt im Monat - mindestens aber 300 Euro zusätzlich, um die unteren Lohngruppen zu stärken. Zudem soll die Vergütung von Nachwuchskräften um 200 Euro im Monat steigen.

Am Montag liegen die Schwerpunkte der Streiks in Baden-Württemberg in Stuttgart und in Heilbronn. In Stuttgart sind dabei voraussichtlich alle Landeseinrichtungen vom Warnstreik betroffen. Neben den Universitäten und Hochschulen handelt es sich dabei auch um die Studierendenwerke, die Ministerien und den Landtag aber auch Behörden wie das Statistische Landesamt oder das Landesamt für Besoldung.

Warnstreik in BW: Hier wird am Montag gestreikt

Auch Beschäftigte der Wilhelma, der Staatsgalerie und des Staatstheaters sind zum Warnstreik aufgerufen. Am Vormittag soll es eine Demo und eine Kundgebung in der Innenstadt geben.

In Heilbronn betreffen die Warnstreiks unter anderem die Hochschulen und das Studierendenwerk sowie das Zentrum für Psychiatrie Weinsberg (Kreis Heilbronn) mit der Außenstelle in Schwäbisch Hall. Am Warnstreik beteiligen wollen sich außerdem Beschäftigte der AOK aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie dem Neckar-Odenwald-Kreis.

Streik und mehrere Demos in BW geplant

In der Heilbronner Innenstadt sind ebenfalls am Montagvormittag eine Kundgebung und eine Demo geplant. Zudem hat ver.di unter anderem zu Warnstreiks in Tübingen, Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg am Dienstag aufgerufen.

Am Mittwoch werden die Tarifverhandlungen in Potsdam fortgesetzt. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder sieben Prozent mehr Gehalt im Monat - mindestens aber 300 Euro zusätzlich, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.

Brandenburg, Berlin: Erste Flüge starten wieder vom BER

Ein Flugzeug steht auf der verschneiten Start- und Landebahn des BER in Berlin
Ein Flugzeug steht auf der verschneiten Start- und Landebahn des BER in Berlin (© Christoph Soeder/dpa)

Nach dem vorübergehenden Stopp aller Starts vom Berliner Flughafen BER können nun die ersten Flugzeuge wieder starten. Wegen des Wetters kommt es aber weiterhin zu Ausfällen und Verspätungen, auch im Nahverkehr der Stadt.

Sonntag, 8. Februar

18:06 Uhr: Riesiger Eissegler auf zugefrorenem Müggelsee unterwegs

18 Meter lang, 10 Meter hoch und 65 Quadratmeter Segelfläche - es ist ein ganz besonderes Exemplar, was derzeit auf dem Müggelsee zu bestaunen ist. Schon, dass das riesige Gewässer zugefroren ist, hat Seltenheitswert. Dass dort auch noch ein riesiger Eissegler herumkurvt, zieht besonders viele Menschen an.


Wie schon in den vergangenen Tagen pilgerten am Wochenende Hunderte zum Borkenstrand an den Müggelsee, um einen Blick auf die "Papagena" zu werfen. Nach acht Jahren langen Wartens auf den richtigen Winter haben Matthias Sponholz und seine drei Söhne aus Friedrichshagen das Gefährt mit drei Kufen und zwei Segeln vor zwei Wochen auf das Eis gebracht.

"Eine gewisse Gefahr fährt immer mit, das macht ja den Sport aus, aber wir informieren uns, wir haben an verschiedenen Stellen Bohrungen gemacht hier auf dem See, er hat also eine Eisdicke von durchschnittlich 20 bis 25 Zentimeter", erklärt Yachtbesitzer Matthias Sponholz.

Nicht immer lief alles glatt. Mal war die Steuerkufe gebrochen, ein anderes Mal fehlte der Wind.

Die kommenden Tage soll die "Papagena", die 1996 in einer finnischen Werft nach Bauplänen aus dem Jahr 1905 gebaut wurde, noch auf dem Eis bleiben. Wenn es aber weiter so taut, muss die 1,5 Tonnen schwere Eissegelyacht wieder ins Trockene.

16:15 Uhr: Parkanlagen in Potsdam und Berlin sollen am Montag wieder öffnen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) will ihre Parkanlagen in Potsdam und Berlin am Montag wieder für Besucher öffnen. Dies teilte die SPSG in einem Schreiben mit. Grund ist die Herabstufung der Glatteis-Gefahr durch den Deutschen Wetterdienst.

Auch die im Winterhalbjahr durchgängig geöffneten Schlösser Sanssouci, Charlottenburg, Oranienburg und Rheinsberg können somit wieder regulär ab Dienstag (Montag Ruhetag) besucht werden. Das Neue Palais ist bereits wieder am Montag geöffnet.

12:11 Uhr: BER meldet normalen Betrieb vor Ferienende

Das weiter winterliche Wetter führt am Flughafen BER nach Unternehmensangaben zu keinen weiteren Problemen. "Die Enteisungszeiten sind normal. Der Flugbetrieb ist stabil", sagte eine Sprecherin.

Zum Ende der Winterferien in Berlin und Brandenburg sei das Verkehrsaufkommen etwas höher. Nach Angaben der Sprecherin werden am Sonntag etwa 77.000 Passagiere bei An- und Abflügen am BER erwartet.

Aufgrund von Blitzeis war der Flugbetrieb in Schönefeld von Donnerstagabend an eingestellt. Erst Freitagmittag hoben die ersten Maschinen wieder ab. Es fielen aber viele Flüge aus und es gab Verspätungen.

12:03 Uhr: Nur noch eine Regionalbahn-Linie mit Einschränkungen

Der Regionalbahnverkehr in Berlin und Brandenburg hat sich nach den Behinderungen wegen des Winterwetters wieder weitgehend normalisiert.

Einschränkungen gibt es nach Angaben der Bahn nur noch beim RE7. Die Züge werden zwischen Berlin-Wannsee und Ostkreuz umgeleitet, deshalb entfallen die Halte zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof.

Zuvor war es auf einigen Regionalexpress-Linien zu Ausfällen und Verspätungen gekommen - unter anderem, weil Oberleitungen vereist waren. Laut der Bahn sollen die Züge am Montag wieder wie üblich fahren.

9:25 Uhr: "Brieger Gänse" auf der Oder - weiterhin kein Schiffsverkehr


Auch wenn es langsam taut: Auf der Oder - etwa bei Frankfurt - staut sich teilweise das sonst noch immer leicht mit dem Fluss driftende Eis. Dabei zeigt die Oberfläche nicht etwa eine ebene Eisdecke, sondern sie setzt sich zusammen aus tausenden kleinen runden Eisschollen, den sogenannten "Brieger Gänsen" ("Brieger" - nach dem deutschen Namen der polnischen Stadt Brzeg und "Gänse" - wegen des Geräuschs beim Aneinanderreiben der Schollen, das lautem Schnattern von Gänsen ähnelt).

Das Phänomen entsteht, weil das Eis als Grundeis gebildet wird und dann aufsteigt. Vor allem durch die Strömung bewegt es sich, stößt mit anderen Schollen zusammen, dreht sich und erhält dabei seine runde Form. Genau wegen dieser Fast-Blockade durch das Eis ruht im Moment der Schiffsverkehr auf der Oder - wie auf vielen Wasserstraßen im Nordosten und Norden Deutschlands [elwis.de].

8:17 Uhr: Sprühregen und Schnee sorgen weiter für glatte Straßen in der Region


In Teilen von Berlin und Brandenburg herrschen vereinzelt weiterhin Glätte und Nebel. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist am Sonntagmorgen mit geringem Schneefall und Sprühregen zu rechnen. In der Niederlausitz werden bis zu drei Zentimeter Neuschnee erwartet. Die Temperaturen liegen zwischen null und zwei Grad.

Samstag, 7. Februar

17:55 Uhr: Flugbetrieb am BER stabilisiert sich weiter

Der Flugbetrieb am Hauptstadtflughafen BER hat sich weiter stabilisiert. Am Nachmittag waren auf der Internetseite des Airports keine Flugausfälle mehr zu sehen. Allerdings hatten einige Flüge noch bis zu zwei Stunden Verspätung.


Nach einer 16-stündigen Unterbrechung wegen Eisregens und Glätte hatte der BER den Flugbetrieb Freitagmittag wieder aufgenommen. Weil während der Zwangspause keine Flugzeuge landen konnten, mussten aber wegen fehlender Maschinen auch Samstagmorgen noch einige Verbindungen gestrichen werden.

17:40 Uhr: "So richtig vorbei ist der Winter in Berlin und Brandenburg noch nicht"

Kommt jetzt das Tauwetter? Laut Roland Vögtlin, Meteorologe des ARD-Wetterkompetenzzentrums, müssen Menschen in Berlin und Brandenburg noch etwas Geduld zeigen: "Den starken Frost haben wir hinter uns, aber so richtig vorbei ist der Winter noch nicht."

Es bleibt wohl am Wochenende sowie in der kommenden Woche eher frostig und die Temperaturen verharren im einstelligen Bereich. Und: Es gilt weiterhin eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor markanter Glätte durch gefrierenden Regen.

Hingegen darf sich der Südwesten Deutschlands schon über frühlingshafte Temperaturen und Sonne freuen – so zeigte das Thermometer in Freiburg im Breisgau am Samstag 13 Grad und Sonne.

12:31 Uhr: Stahnsdorfer Friedhof vorerst geschlossen

Wegen Glatteis und Dauerfrost hat der Südwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) vorübergehend geschlossen. Es bestehe "Gefahr für Leib und Leben", sagte Friedhofsleiter Olaf Ihlefeldt. Die Maßnahme diene dem Schutz von Besuchern und Mitarbeitern gleichermaßen. Das gesamte Wegenetz des 206 Hektar großen Waldfriedhofs sei vollständig vereist.

Der Friedhof ist bekannt, weil dort Prominente wie Schauspieler Manfred Krug, Moderator Dieter Thomas Heck oder Politiker Otto Graf Lambsdorff begraben liegen. Auch die Netflix-Serie "Dark" machte den Friedhof mit seiner Holzkapelle im Norwegen-Stil populär.

Wann der Friedhof wieder geöffnet werden soll, ist noch unklar. Ziel sei es, den regulären Bestattungsbetrieb am Montag wieder aufnehmen zu können.

11:33 Uhr Stiftungs-Parks bleiben voraussichtlich bis Montag geschlossen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten rechnet damit, dass am Montag ihre Parks wieder öffnen können. Ein Sprecher sagte am Morgen, dass die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher noch nicht gewährleistet werden könne. Es sei noch alles vereist, trotz des Tauwetters. Deshalb habe man sich dazu entschieden, die Parks weiter geschlossen zu halten.

Die Parks und Gärten sind seit Donnerstag wegen Schnee und Eis geschlossen. Vor zwei Tagen hatte es eine Warnung vor Eisregen durch den Deutschen Wetterdienst gegeben.

11:30 Uhr Behindertenverband: Teils "katastrophale" Glätte in Potsdam

Der Allgemeine Behindertenverband Land Brandenburg klagt wegen der anhaltenden Glätte über besondere Herausforderungen in der Landeshauptstadt Potsdam. "Besonders schlimme und problematische Stellen sind Kopfsteinpflasterwege", sagte ein Sprecher des Verbandes. Diese seien ganz besonders glatt und rutschig. "Speziell in Potsdam, wo viele Orte aufgrund Vorgaben der Denkmalbehörde mit Pflastersteinen bestückt sind, sind die Verhältnisse im Winter bei Schnee und Glätte katastrophal."

Für Menschen im Rollstuhl seien die nicht geräumten Gehwege beziehungsweise die überfrierende Nässe und die Glätte das Schlimmste. "Noch schlimmer sind Menschen betroffen, die zwar nicht im Rollstuhl sitzen, aber mit dem Rollator oder mit Krücken unterwegs sind", führte der Sprecher aus. Sie könnten sich nicht wirklich sichern und seien einer glatten Stelle schutzlos ausgeliefert.

10:03 Uhr: Polizei meldet mehrere Eisrettungen in Brandenburg seit Jahresbeginn

Die Brandenburger Feuerwehren sind in den vergangenen Wochen zu einigen Rettungen auf dem Eis ausgerückt. In den Landkreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark retteten die Einsatzkräfte mehrere Menschen vom Eis, weil diese auf dem Eis gestürzt waren. Das berichtete die Feuerwehr auf DPA-Anfrage.

In Brandenburg an der Havel wurde die Feuerwehr gerufen, weil drei Kinder auf einer Wasserfläche gesichtet wurden. Die Eisfläche war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend durchgefroren. Als die Feuerwehr eintraf, hatte die Polizei die Kinder bereits von der Eisfläche geholt.

Die Wasserschutzpolizei empfiehlt unter anderem, niemals alleine aufs Eis zu gehen und fließende Gewässer zu vermeiden. Außerdem sollten die Eisflächen unter Brücken gemieden werden.

09:10 Uhr: BER spricht von "stabilem Betrieb"


Der Flugbetrieb am Hauptstadtflughafen BER ist nach Unternehmensangaben stabil. Er sei am Morgen regulär angelaufen, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit. Auf der Internetseite waren am frühen Morgen aber noch Verspätungen und Flugausfälle zu sehen.

Der BER bestätigte die Flugstreichungen und erklärte, dies liege daran, dass die dafür nötigen Flugzeuge am Freitagabend aufgrund des Wetters nicht "reingekommen" seien. Im Laufe des Sonnabends werde sich dies dann jedoch noch ändern. Man gehe davon aus, dass die allerallermeisten Passagiere informiert seien.

08:20 Uhr: Weiter Glätte und Rutschgefahr - vor allem auf Gehwegen


Glatteis führt weiterhin in Berlin und Brandenburg zu Problemen in der Region. Durch gefrierenden Regen besteht nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auch am Samstag erhöhte Glättegefahr. Das gilt besonders auf den Gehwegen, etwa durch gefrierenden Regen. Besonders betroffen sind der Nordosten und Südosten Brandenburgs sowie Berlin.

08:00 Uhr: Weiterhin Verspätungen und Ausfälle am Flughafen BER


Am Hauptstadtflughafen BER kommt nach der wetterbedingten Unterbrechungen vom Donnerstag und Freitag auch noch am Samstagmorgen zu Verspätungen und Flugausfällen. Das geht aus Angaben auf der Internetseite des Flughafens hervor. Aufgrund von Blitzeis war der Flugbetrieb in Schönefeld ab Donnerstagabend eingestellt. Erst Freitagmittag hoben die ersten Maschinen wieder ab. Schon am Freitag betonte eine Flughafensprecherin, dass es voraussichtlich noch dauern werde, bis sich der Flugverkehr in Berlin wieder normalisiere: "Passagiere brauchen weiterhin viel Geduld. Es kommt nach wie vor zu Flugstreichungen und erheblichen Verspätungen", so die Sprecherin.

Freitag, 06. Februar

20:45 Uhr: Drei Viertel der Starts und Landungen am BER gestrichen

Am Flughafen BER in Schönefeld sind bis zum Abend etwa drei Viertel der für Freitag geplanten rund 500 Starts und Landungen gestrichen worden. Wie eine Sprecherin sagte, könne sich die Zahl noch erhöhen.

An den Check-in-Schaltern kam es dann am Freitag zu langen Wartezeiten. Gegenüber dem rbb klagten Fluggäste über das Krisenmanagement von Fluggesellschaften und Flughafen. Passagiere hätten teilweise lange in Flugzeugen ausharren müssen - ohne genauere Informationen über mögliche Wartezeiten oder Weiterflüge.

18:00 Uhr: Weiterhin massive Verspätungen und Flugausfälle am BER

Am Flughafen BER kommt es auch Stunden nach Wiederaufnahme des Flugbetriebs weiterhin zu massiven Verspätungen und Flugstreichungen. Das teilte der Flughafen auf seiner Internetseite mit. Der Flugbetrieb laufe nur schleppend und eingeschränkt, teilte eine Sprecherin mit. "Passagiere brauchen weiterhin viel Geduld. Es kommt immer noch zu Flugstreichungen und massiven Verspätungen."

Aufgrund der Witterung dauerten die Enteisungen der Flugzeuge deutlich länger als sonst üblich, erklärte sie. Dadurch könnten weniger Flugzeuge starten als an einem regulären Tag. Bis zum späten Nachmittag haben nach ihren Angaben die Airlines rund die Hälfte der für heute geplanten rund 500 Starts und Landungen gestrichen. Die Zahl könne sich noch erhöhen.

Der Betrieb am BER war am Mittag wieder angelaufen. Aufgrund von Blitzeis und anhaltendem Eisregen waren seit Donnerstagabend alle Starts und Landungen gestrichen worden.

15:56 Uhr: U-Bahnlinie U2 fährt in Pankow wieder durch

Nach einer zeitweisen Unterbrechung fährt die Berliner U-Bahnlinie U2 offenbar wieder durch. Die BVG hat die Störungsmeldung von ihrer Internetseite genommen. Dort hatte es am Nachmittag geheißen, dass die U2 wegen "Witterungseinflüssen" zwischen Pankow und Eberswalder Straße bis zum Abend nicht mehr fährt.

Schon am Donnerstag waren die Linien U2 und U3 wegen Schnee und Eis unterbrochen.

15:15 Uhr: Barnim und Oder-Spree beschließen Fütterung von Wildtieren - Agrarministerium ruft keine "Notzeit" aus

Trotz des anhaltend frostigen Wetters wird bei Wildtieren in Brandenburg nicht landesweit zugefüttert. Wie das Land- und Umweltministerium auf Nachfrage mitteilte, werde es keine landesweite "Notzeit" geben. "Notzeit" für Wildtiere bedeutet demnach eine passende Zufütterung durch den Menschen, besipielsweise Getreide oder Heu.

Mitglieder von Forst- und Jagdverbänden hatten berichtet, dass vermehrt Wildtiere in schlechtem Ernährungszustand an Straßenrändern zu beobachten seien. Die Landkreise Oder-Spree sowie Barnim haben daher eine "Notzeit" in Landkreisverantwortung beschlossen.


Der Landkreis Oder-Spree bittet auch, Wildtiere nicht aufzuscheuchen. Spaziergängen sollten auf Wegen bleiben und Hunde anleinen. Jede Störung zwinge die Tiere zu energiezehrenden Bewegungen.

15:05 Uhr: Nabu: Streusalz kein "Wundermittel"

Der Naturschutzbund (Nabu) Berlin hat sein Vorgehen gegen den privaten Einsatz von Streusalz verteidigt. Senat und Bezirke müssten ihre Verantwortung für die Räumung von Straßen, Rad- und Gehwegen besser wahrzunehmen, statt zu suggerieren, Streusalz sei die einzige Lösung des Problems.

"Viele Menschen halten Streusalz offenbar für eine Art Wundermittel, das die Glätte im Handumdrehen beseitigen würde. Aber so ist es nicht", sagte Nabu-Vorsitzender Rainer Altenkamp laut einer Mitteilung. Wer den Gehweg vor seinem Haus nicht räume, werde es auch mit Streusalz nicht tun. Abstumpfende Mittel wie Sand und Split seien außerdem wesentlich umweltverträglicher und wirkten auch bei sehr tiefen Temperaturen und über längere Zeit.

Die Senatsumweltverwaltung hatte angesichts der anhaltenden Glätte das Streusalzverbot vorübergehend ausgesetzt. Dagegen hatte der Nabu geklagt und vor dem Verwaltungsgericht Recht bekommen.

14:45 Uhr: Mehrere Regionalzug-Linien stark eingeschränkt

Mehrere Regionalbahnlinien in Berlin und Brandenburg sind aufgrund der anhaltenden Winterwitterung aktuell eingeschränkt. Besonders stark betroffen ist laut der Deutschen Bahn, der RE5 beziehungsweise RE51 zwischen Rostock/Stralsund und Berlin. Hier würden zahlreiche Züge ausfallen oder verspätet fahren. Als Alternative könnten die Züge des RE3 genutzt werden, die jedoch ebenfalls von Verspätungen betroffen sein. Der Zugverkehr auf der Linie RE7 von Dessau über Berlin nach Senftenberg ist derzeit ganz eingestellt.

14:00 Uhr: Betrieb am BER wieder angelaufen - aber noch kein Normalbetrieb

Am Flughafen BER ist der Betrieb nach rund 16-stündiger Unterbrechung wieder aufgenommen worden. Am Mittag sind die ersten Maschinen wieder gestartet und gelandet. Donnerstagabend war der Betrieb am BER wegen Eisregens komplett eingestellt worden.

Auch am Morgen sei das Vorfeld spiegelglatt gewesen, sagte Flughafen-Sprecherin Sabine Deckwerth. Wieviele Flüge heute stattfinden können, lasse sich nicht sagen. Es dauere mehr als doppelt so lange wie üblich, die Maschinen zu enteisen, so Deckwerth.

Nach ihren Angaben sind Donnerstag etwa drei Viertel aller Flüge ausgefallen.

13:50 Uhr: Hohe Feinstaubbelastung in Ostbrandenburg

Die Feinstaubbelastung in Ostbrandenburg ist aktuell besonders hoch. Das liege an der Wetterlage mit dichten Wolken und hartem Ostwind, sagte Lutz Schäfer, Experte für Luftqualität im Landesumweltamt, dem rbb. "Also es ist ein Mix aus Industrie, aus Hausbrand, auch aus Verkehr, der dann letztendlich hier bei uns wirksam wird." Aktuell beheizen viele Brandenburger derzeit zusätzlich klassische Öfen und Kamine mit Holz. Für gesunde Menschen ist die derzeitige Belastung nicht gefährlich, so das Landesumweltamt. Ein Wind- und Wetterwechsel könnte die Feinstaubwerte schnell wieder in den Normalbereich bringen.

12:43 Uhr: Plusgrade tagsüber, Glätte kehrt nachts zurück

Der Deutsche Wetterdienst hat für Berlin und Brandenburg tagsüber Temperaturen von zum Teil über null Grad vorhergesagt. Auch für Samstag sind am Tag Werte zwischen 1 und 4 Grad zu erwarten. Gleichzeitig gilt allerdings weiterhin Glättegefahr, insbesondere bei am Boden gefrierendem Sprühregen.

Auch wenn das Thermometer zwischenzeitlich keine Minusgrade anzeigt, ist bei der Glatteisgefahr nicht mit einem schnellen Ende zu rechnen: Der Deutsche Wetterdienst rechnet in der Region schon für die Nacht zum Samstag mit leichtem Frost und der Gefahr von gefrierendem Sprühregen. Samstagabend sind gebietsweise leichter Schneefall oder Schneegriesel zu erwarten und in der Nacht zu Sonntag erneut Minusgrade mit Glättegefahr.

12:41 Uhr: BSR rät, Tauwetter zum Enteisen der Gehwege zu nutzen

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) empfiehlt, Gehwege von Eis zu befreien, wenn die Temperaturen zwischendurch über dem Gefrierpunkt liegen. "Das ist der beste Zeitpunkt dafür. Jetzt kann man es weich abschippen oder abfegen - an vielen Stellen zumindest", sagte BSR-Sprecherin Frauke Bank der Deutschen Presse-Agentur.

"An manchen Stellen ist das Eis natürlich immer noch sehr dick." Bank rät, die Chance zu nutzen, das Eis bei etwas höheren Temperaturen mit deutlich weniger Kraftaufwand zu beseitigen. Bei Dauerfrost müsse es mit der Schaufel- oder Spatenkante erst aufgebrochen werden oder mit einer speziellen Eisscharre.

12:32 Uhr: Auch Spandau schließt Friedhöfe

Spandau schließt seine Friedhöfe aufgrund der Glätte vorläufig bis Montag für Besucher, so das Bezirksamt. Betroffen sind die Anlagen "In den Kisseln, "Staaken" und "Landschaftsfriedhof Gatow". Beisetzungen finden jedoch statt.

Zuvor hatten bereits Treptow-Köpenick sowie der evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte angekündigt, die Friedhöfe über das Wochenende zu schließen.

12:22 Uhr: Viele Unfälle auf der A10 und A2

Zwischen Donnerstagnachmittag und Freitagnacht hat die Polizei einige Unfälle verzeichnet. Demnach sei es zu mindestens 28 witterungsbedingten Verkehrsunfällen gekommen, bei denen 19 Personen verletzt wurden. Fünf der Verletzten mussten zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser gebracht werden. Wegen Bergungs- und Enteisungsmaßnahmen war die Autobahn in beide Fahrtrichtungen für rund sechs Stunden voll gesperrt.

Auf der A2 zwischen Wollin und Ziesar (beide Potsdam-Mittelmark) kam es laut Polizei in Fahrtrichtung Berlin zu insgesamt zehn Verkehrsunfällen, bei denen jedoch keine Person verletzt wurde.

12:17 Uhr: U-Bahnen fahren wieder

Seit dem Freitagmittag sind alle Abschnitte des U-Bahnnetzes wieder in Betrieb, teilt die BVG mit. Vereinzelt könne es vorübergehend noch zu Unregelmäßigkeiten kommen. Zuvor gab es witterungsbedingte Störungen auf der U2 und der U3.

11:39 Uhr: Weitere Friedhöfe schließen

Neben den 46 Friedhöfen des evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte haben nun auch die landeseigenen Treptow-Köpenicker Friedhöfe geschlossen, teilte der Bezirk mit. Es werde angestrebt, die Friedhöfe am Montag wieder zu öffnen, sofern die Wetterlage dies erlaube.

10:54 Wasserschaden am Bahnhof Zoologischer Garten

Am Bahnhof Zoologischer Garten tropfte am Freitagmorgen Wasser von der Decke. Unterhalb der Gleise 1 und 2 drang Wasser in die Bahnhofsvorhalle ein. Grund ist laut einem Sprecher ein Rohrbruch an einer Trinkwasserleitung. Mitarbeiter sind bereits mit der Reparatur beschäftigt. Ob das aktuelle Wetter die Ursache ist, konnte der Sprecher nicht sagen. Der Verkehr ist davon nicht beeinträchtigt.

10:42 Uhr: Alle Kräfte der Berliner Stadtreinigung im Einsatz

Seit den Nachtstunden läuft die BSR eigenen Angaben zufolge "mit allen Kräften unter Volllast." Seit dem frühen Vormittag werden auch die Nebenstraßen beräumt. Handreiniger der BSR sowie die Kehrfahrzeuge seien derzeit damit beschäftigt, Wege und Haltestellen zu bearbeiten.

Unterstützt werden die BSR-Mitarbeitenden von Kollegen der Berliner Forsten, die sich Gehwege auf Brücken vornehmen, so die Senatsverwaltung für Mobilität. Auch die Berliner Wasserbetriebe sind dabei, die Bezirke Lichtenberg und Reinickendorf bei der Bewältigung der Glätte-Folgen zu unterstützen.

10:18 Uhr: Treppensturz im Havelland

Am Bahnhof in Buschow ist in der Nacht ein Mann auf eisglatter Treppe ausgerutscht. Das hat die zuständige Feuerwehr-Leitstelle dem rbb bestätigt. Der 27-Jährige wollte demnach gegen Mitternacht am Bahnhof den Bahnsteig wechseln. Dafür nutzte er die völlig vereiste Stahltreppe. Er rutschte aus und stürzte die Stufen hinunter. Der verletzte Mann wurde in eine Klinik gebracht.

10:12 Uhr: Mehrere Glätte-Unfälle auf A10 bei Birkenwerder - Autobahn gesperrt

Wegen mehrerer Glätte-Unfälle ist die A10 zwischen Mühlenbeck und Birkenwerder (Oberhavel) in Fahrtrichtung Hamburg am Morgen gesperrt worden. Zwei Menschen wurden auf dem Abschnitt des nördlichen Berliner Rings schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte. Autofahrer werden gebeten, vorsichtig zu fahren.


Bei einem Unfall gegen 6.30 Uhr prallte ein Transporter in die Leitplanke, wie die Polizei mitteilte. Kurz darauf landete ein Pkw auf dem Dach. Zwei Menschen kamen schwer verletzt in ein Krankenhaus. Außerdem ereignete sich ein Auffahrunfall im gleichen Abschnitt. Aufgrund umfangreicher Bergungsmaßnahmen sei die A10 in dem Bereich gesperrt worden, sagte ein Sprecher der Polizei.


Die Polizeidirektion Nord, die für die Landkreise Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz zuständig ist, meldete rund 30 Unfälle auf Autobahnen innerhalb von 24 Stunden.


Außerdem starb eine 82-Jährige aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Sie kam am Donnerstag mit ihrem Wagen auf der Bundesstraße 5 zwischen Bückwitz und Kampehl bei Neustadt/Dosse in den Gegenverkehr und prallte mit einem Auto zusammen. Nach Angaben der Polizei dürfte Glätte auch hier eine Rolle gespielt haben.

10:01 Uhr: Unwetterwarnung aufgehoben

Der Deutsche Wetterdienst hat seine Unwetterwarnung aufgehoben. Heute Morgen warnte er für Berlin und Teile Brandenburgs vor plötzlich gefrierendem Regen. Glatt ist es auf den Straßen und Gehwegen aber weiterhin.

08:56 Uhr: Zwei Tote nach Autounfall

In Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) sind heute bei einem Unfall zwei Personen gestorben. Das sagte die Polizeidirektion Süd dem rbb. Die drei anderen Menschen wurden in ein Krankenhaus gebracht, sie seien aber außer Lebensgefahr. Das Fahrzeug war demnach am Morgen von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Es sei davon auszugehen, dass es sich um einen witterungsbedingten Unfall aufgrund der Glätte handelt, heißt es.

08:17 Uhr: Busse in Ostprignitz-Ruppin fahren wieder

Der Busverkehr in Ostprignitz-Ruppin rollt langsam wieder an. Das sagte der Geschäftsführer der Busgesellschaft ORP dem rbb. Zunächst würden die Busse auf den Hauptstrecken wieder fahren, Probleme gebe es wegen der schlechten Straßenverhältnisse weiterhin auf Nebenstrecken rund um Neustadt/Dosse und Kleinzerlang bei Rheinsberg. Prignitzbus will gegen 9 Uhr entscheiden, ob wieder gefahren wird.

08:03 Uhr: Vielzahl an Berliner Friedhöfen geschlossen

46 Friedhöfe des evangelischen Friedhofsverbands Berlin Stadtmitte bleiben heute geschlossen, teilte der Verband mit. Beisetzungen finden allerdings statt. "Es ist nicht möglich die Friedhöfe verkehrssicher zu halten und die Flächen in diesem Umfang ausreichend mit Streugut zu versehen", heißt es.

07:45 Uhr: Wetter bleibt ungemütlich, allenfalls langsame Entspannung in Sicht

Auch zum Ende der Woche lässt das ungemütliche Winterwetter Berlin und Brandenburg nicht los. Bis zum Start in die neue Woche bleibt das Wetter vor allem nass und kalt.

Bei leichten Plusgraden bis zu vier Grad gibt es am Samstag und Sonntag einen Wechsel aus Schneegeriesel, Schneeregen und Sprühregen. Vor allem am Morgen sowie in der Nacht kann dieser laut DWD überfrieren und zu Glätte führen.

Dennoch soll sich die Lage langsam entspannen, wie es hieß. In der neuen Woche wird es wieder kälter, dafür aber auch trockener.

07.35 Uhr: Einschränkungen im Regionalverkehr

Auf der Linie RE7 zwischen Senftenberg und Berlin-Gesundbrunnen komme es witterungsbedingt derzeit zu Zugausfällen und Verspätungen, meldet die Verkehrsinformationszentrale Berlin.

07:09 Uhr: Neue Unwetterwarnung für Berlin und Teile Brandenburgs

Wegen Glatteises hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Berlin und Teile Brandenburgs für den Morgen eine Unwetterwarnung herausgegeben. Es bestehe Gefahr für Leib und Leben durch plötzlich gefrierenden Regen, hieß es auf der Warn-App Katwarn.

In Brandenburg waren der Berliner Speckgürtel und weite Teile des Nordens betroffen. Bereits am Donnerstag hatte es eine solche Unwetterwarnung gegeben. Die Warnung gilt zunächst bis 9.00 Uhr.

06:49 Uhr: Auch am Freitag vorerst kein Betrieb am BER

Am Flughafen BER sind weiterhin keine Starts und Landungen möglich. Es sei unklar, wann der Betrieb wieder starten könne, sagte eine Flughafensprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Der Betrieb ist seit gestern Abend komplett eingestellt.

06:44 Uhr: Eingeschränkter ÖPNV in Berlin und mehreren Landkreisen

Wegen Glatteis ist der öffentliche Nahverkehr derzeit eingeschränkt. In Berlin fährt die U2 zwischen U Rosa-Luxemburg-Platz und S+U Pankow witterungsbedingt nur im 15-Minuten-Takt.

Die Busgesellschaften in den Kreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin haben ihren Betrieb mindestens bis zum Vormittag eingestellt. Auch in Dahme-Spreewald fahren bis acht Uhr keine Busse, wie der Landkreis auf seiner Internetseite mitteilte.

Frühere Liveticker-Meldungen zu Winter, Eis und Glätte finden Sie hier.

Brandenburg: Wandlitz: Bürgermeister will Bogensee-Areal nach Großbrand weiter nutzen

Kräfte der Feuerwehr sind bei einem Brand auf dem Bogensee-Areal, mit der ehemaligen Villa von NS-Propagandaminister J. Goebbels, im Einsatz. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)
Kräfte der Feuerwehr sind bei einem Brand auf dem Bogensee-Areal, mit der ehemaligen Villa von NS-Propagandaminister J. Goebbels, im Einsatz. (Quelle: Christoph Soeder/dpa) (© Christoph Soeder/dpa)

Trotz des Großbrands auf dem historischen Bogensee-Areal will die Gemeinde Wandlitz an ihren Plänen für die Bewirtschaftung des Geländes festhalten. Am "Ziel, die Liegenschaft wieder zur Nutzung zu bringen", habe sich nichts geändert, sagte Bürgermeister Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz) dem rbb.

Erst vor wenigen Monaten hatte die Gemeinde Wandlitz das Gelände von der Berliner Immobilienmanagement (BIM) übernommen und somit vor dem Abriss bewahrt. Gemeinsam werden nun verschiedene Möglichkeiten für die künftige Nutzung geprüft. Nun müssen die Pläne zusammen mit der BIM angepasst werden.

Brand auf Bogensee-Areal im Januar

Der Landrat des Landkreises Barnim, Daniel Kurth (SPD), plädierte im rbb am Sonntag ebenfalls für eine Sanierung und eine anschließende Nutzung des Geländes. "Wir brauchen Ideen, wie wir dieses große Areal, das historisch sehr überformt ist, weiterentwickeln. Da geht es darum, einen Nutzer zu finden, der so groß ist und vielleicht auch so viel Kraft hat, dass er die Sanierung organisieren kann und auch eine ordentliche Nutzung", sagte Kurth. Möglicherweise müsse bereits in einem Jahr ein Investor gefunden werden, der "Erhalt durch Nutzung" organisiert.

Auf dem Areal war vor zweieinhalb Wochen ein Feuer ausgebrochen. Große Teile des denkmalgeschützten Hauptgebäudes wurden dabei zerstört, das Dach ist eingestürzt, auch der große Lesesaal des sogenannten Lektionsgebäudes war betroffen.

Die Stadt Berlin hatte 1936 dem damaligen NS-Propagandaminister Joseph Goebbels das Nutzungsrecht für den Bogensee und knapp 500 Hektar Land überlassen.

Zu dem Areal gehört auch eine Villa, die Goebbels als Landhaus nutzte. Die ist von dem Brand nicht betroffen. Zu DDR-Zeiten war auf dem Areal die Freie Deutsche Jugend (FDJ) ansässig, es war Sitz der zentralen Kaderschmiede für Funktionäre der FDJ und der SED. Nach der Wende wurde es als Kongresszentrum genutzt. Seit dem Jahr 2000 steht es leer und verfällt.

Bremen: "Sowas soll es mehr geben": Inklusion auf Bremens Theaterbühnen

Tanzszene mit acht Personen im Kreis auf einer Theaterbühne
Tanzszene mit acht Personen im Kreis auf einer Theaterbühne (© Radio Bremen)

Dank des Blaumeier-Ateliers und Tanzbar Bremen schreitet die Inklusion in der Bremer Kultur voran. Aber langsam. Es mangelt an Geld, Räumen und anerkannten Ausbildungen.

Wie viel Spaß Proben machen können – das wird klar beim Besuch eines Warm Ups zum Jubiläumsstück von Blaumeier. 40 Jahre bereits existiert das älteste inklusive Theaterprojekt in Bremen. Für viele Menschen mit Beeinträchtigung ist das Schauspielern eine der wenigen Möglichkeiten, sich kreativ auszuleben, die Freizeit aktiv zu gestalten.

Entsprechend sagt Nazli Kiziltepe, Künstlerin im Blaumeier-Atelier: "Sowas soll es mehr geben, damit niemand alleine ist. Damit keiner Langeweile hat. Damit alle strahlend nach Hause gehen."

Dorothe Burhop, ebenfalls bei den Blaumeiers, sagt gar auf die Frage, wie das Leben ohne Blaumeier wäre: "Geht gar nicht." Blaumeier ist ein Freizeitprojekt und für die Schauspielerinnen und Schauspieler mit Beeinträchtigung ein Hobby.

Für Till Krumwiede ist es der Beruf. Er ist festangestellter Tänzer beim Verein Tanzbar Bremen. Zusammen mit der Tanzkompanie vom Theater Bremen steht er gerade mit dem Stück "The Tide" auf der Bühne. Wie er dazu gekommen ist, beschreibt Krumwiede mit diesen Worten: "Ich war zurückhaltend, weil ich gemerkt habe: Es ist zu professionell. Dann habe ich den Mut gehabt."

In Sachen inklusiver Kulturarbeit gehört Tanzbar Bremen, neben Blaumeier, zu den Pionieren in der Stadt. Viele Entwicklungen haben sie angestoßen.

Dass Menschen mit Behinderung auf der Bühne stehen, ist heute allerdings immer noch eine Ausnahme. Die Schwierigkeiten beginnen schon bei der Ausbildung. Im Moment übernehmen Vereine wie das Blaumeier-Atelier oder Tanzbar Bremen die Ausbildung. Die Künstlerinnen und Künstler lernen viel, haben am Ende aber kein Zertifikat. Das ist ein Problem, findet die Regisseurin Sabina Mak: "Um in den professionellen Bereich zu gehen, brauchen die Leute auch Zugang zur Ausbildung. Das kommt jetzt allmählich. Aber auch Hochschulen merken: Wow, das ist eine Herausforderung, barrierefrei zu sein."

Und auch Kulturstätten selbst fehlen oft die Voraussetzungen für inklusive Projekte. Meist beginnt es mit der Barrierefreiheit. In der Alten Zollkantine in der Überseestadt gibt es jede Menge Proberäume für Bremer Musikerinnen und Musiker. Doch Menschen mit körperlicher Behinderung können die nicht erreichen.

Dazu sagt Manuel Jänig von der Musikszene Bremen: "Wer keine Zugänge hat zu Proberäumen, der hat natürlich auch ein Problem damit, etwas einzustudieren, um es auf die Bühne zu bringen." Barrierefreiheit heißt aber auch: Fahrdienste zur Probe oder zum Auftritt, manchmal braucht es extra Assistenzen. Das alles kostet.

Viele kleine Fördertöpfe

Eine besondere Förderung für inklusive Kulturprojekte ist im Bremer Kulturetat nicht vorgesehen. Die großen Häuser bekommen ihren festen Betrag und müssen dann selbst entscheiden, was sie davon für inklusive Projekte ausgeben wollen.

Für kleinere Einrichtungen und Vereine gibt es die Projektförderung: "Wir fördern gezielt kleinere Projekte, dafür haben wir einen entsprechenden Topf. Wir haben gezielte Förderungen für die Spezialisten, wie zum Beispiel Blaumeier. Und wir gehen in die Breite mit den größeren Institutionen", beschreibt Jens Tittmann aus dem Kulturressort das Vorgehen Bremens.

Zusätzlich hat das Ressort noch einen Topf mit 20.000 Euro bereitgestellt. Der ist vor allem für ganz praktische Dinge rund um Barrierefreiheit gedacht: Rollstuhlrampen für Festivals zum Beispiel oder Gebärdendolmetscher.

Für ganze Produktionen aber reicht der Topf bei weitem nicht aus. Geld kommt deshalb auch von anderen Stellen: 180.000 Euro etwa aus dem Sozialressort für das inklusive Kursangebot Blaumeiers sowie 15.000 Euro für das wöchentliche Tanztraining von Tanzbar Bremen.

"Aktion Mensch" unverzichtbar

Einzelne Projekte unterstützt zudem die "Aktion Mensch". Im Jahr 2025 waren das 16 in der Stadt Bremen mit einer Fördersumme von 1,19 Millionen Euro sowie vier in Bremerhaven mit einer Fördersumme von 330.000 Euro.

Geld, Personal, Know-How: Das sind die Voraussetzungen für mehr Inklusion auf den Bühnen. Wieso mehr Inklusion in der Kultur dringend notwendig ist, erklärt Regisseurin Sabina Mak: "Wir sind eine Gesellschaft, die immer diverser denkt." Auf der Bühne bildeten die Theater diese Gesellschaft ab. Entsprechend sollten auch alle Menschen, die dazu gehören, auf der Bühne sichtbar sein.

Hessen: Gerüstbauerin Marie über Sexismus: "Als Frau brauche ich in meinem Job ein dickes Fell"

Foto: Eine junge Frau steht vor einem Stapel Stahl-Gerüstteile. Sie trägt eine schwarze Arbeitsjacke und einen blauen Helm. Mit ihrer linken Hand zeigt sie Daumen hoch.
Foto: Eine junge Frau steht vor einem Stapel Stahl-Gerüstteile. Sie trägt eine schwarze Arbeitsjacke und einen blauen Helm. Mit ihrer linken Hand zeigt sie Daumen hoch. (© Julian Moering (hr))

Marie ist eine von nur wenigen Gerüstbauerinnen in Deutschland. Auf den Baustellen hat die 20-Jährige nach eigener Aussage oft mit Ablehnung und Sexismus zu kämpfen. Dennoch liebt sie ihren Job.

In dem zum Pausenraum umfunktionierten Baucontainer riecht es nach kaltem Kaffee, in der Ecke kämpft ein kleiner Heizkörper verzweifelt gegen die Minusgrade. An der Wand hängen zahlreiche Poster von leicht bis gar nicht bekleideten Frauen in lasziven Posen, die wohl aus frivolen Illustrierten stammen.

Mitten in dieser aufdringlich maskulinen Baustellenästhetik sitzt Marie an einem in die Jahre gekommenen Laminattisch und wärmt sich noch einmal auf, bevor es raus in die Winterkälte geht.

Ausbildung in Groß-Gerau

Die 20-Jährige ist Gerüstbauerin, eine von ganz wenigen Frauen in diesem Beruf. Nach ihrem Abitur besuchte sie bis vor kurzem die Berufsschule in Groß-Gerau, wo sie den theoretischen Teil ihrer Ausbildung absolvierte. Der Betrieb ihres Großvaters, in dem Marie arbeitet, liegt im rheinland-pfälzischen Rheinböllen.

Zweieinhalb Jahre musste Marie immer wieder die knapp 80 Kilometer nach Hessen pendeln, denn neben Dortmund und Berlin ist die Berufsschule Groß-Gerau einer von nur drei Standorten in Deutschland, an dem Gerüstbau unterrichtet wird. Doch die Mühe hat sich gelohnt, Anfang des Jahres legte sie zusammen mit 23 weiteren Auszubildenden erfolgreich ihre Gesellenprüfung ab.

Als Frau nimmt Marie in diesem körperlich herausfordernden Job eine Sonderstellung ein, auf den Baustellen ist sie oft die einzige weibliche Person. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich im Gerüstbau noch keine anderen Frauen gesehen", sagt Marie.

Ablehnung und Übergriffe

Die Reaktionen ihrer männlichen Kollegen fallen höchst unterschiedlich aus. "Ich treffe viele, die echt stark finden, was ich mache", erzählt Marie. Doch ihr schlägt auch massive Ablehnung entgegen. Sprüche wie "Wir wollen dich nicht auf der Baustelle haben" oder "Frauen haben hier nichts zu suchen" seien keine Seltenheit.

Auch Khayyam, der zusammen mit Marie die Berufsschule besucht hat, begegnet Frauen im Gerüstbau mit Skepsis. "Das ist eigentlich kein Frauenberuf", sagt der 29-Jährige, der aus Aserbaidschan nach Deutschland kam, um den Beruf zu lernen. Aber bei Marie macht er eine Ausnahme: "Sie ist eine Maschine, die arbeitet mehr als manche Männer."

Um anerkannt zu werden, muss Marie oft mehr und härter arbeiten als manche Kollegen. Doch auch das schützt sie nicht vor Sexismus und Übergriffen. "Die Sprüche gehen von 'Geiler Arsch' bis 'Bück dich'." Einige Männer hätten versucht, sie anzufassen, einer habe ihr auf den Hintern gehauen. "Es werden auch regelmäßig Fotos von mir gemacht und rumgeschickt."

"Geht nicht spurlos an mir vorbei"

Meist reagiert Marie nicht auf solche Vorfälle, aber spätestens zuhause kreisen die Gedanken, wie sie sagt. "Das geht nicht spurlos an mir vorbei." Sie denke oft darüber nach, ob das vielleicht normal sei, und ob sie sich ihrem Schicksal fügen müsse. Dann wieder sagt sie sich: "Auf keinen Fall!" Sie nimmt sich vor, sich zu wehren und die Männer mit ihrem Verhalten zu konfrontieren. "Als Frau brauche ich in meinem Job schon ein dickes Fell."

Im Nachhinein hätte sie sich gewünscht, dass diese Probleme auch in der Ausbildung in Groß-Gerau angesprochen worden wären. "Aber das war leider kein Thema." Dabei sei das doch eine Chance, zumindest die nächste Generation von Gerüstbauern für die Situation zu sensibilisieren. Sie betont aber auch, dass eigentlich alle Frauen in allen Gewerken ähnliche Erfahrungen auf Baustellen machen würden. Es sei kein exklusives Problem der Gerüstbau-Branche.

"Der geilste Job der Welt"

Marie ist noch dabei, einen Umgang mit ihrer Rolle zu finden. Aufgeben ist jedenfalls keine Option, dafür liebt sie ihre Arbeit zu sehr. "Es ist schon mein Traumjob, auch wenn das für eine Abiturientin erst einmal komisch klingt", sagt die 20-Jährige. Während ihrer Schulzeit und nach dem Abitur habe sie mehrere Praktika etwa in der Marketing- und IT-Branche gemacht. "Büro fand ich aber immer sehr langweilig." Dann habe sie in den Betrieb ihres Opas reingeschnuppert, und da habe es Klick gemacht.

"Es ist der geilste Job der Welt", sagt Marie. Man sei viel unterwegs und komme an Orte, wo nicht viele hinkommen – zum Beispiel in Banktresore oder auf Kirchendächer. Auch die Arbeit im Team macht Marie viel Spaß. "Ich sehe und spüre abends, was ich geschafft habe."

Sie weiß aber auch um den schlechten Ruf der Gerüstbaubranche. "Viele sind der Meinung, dass hier hauptsächlich Knastis oder Junkies arbeiten." Doch das habe sich spätestens seit Anfang der 1990er Jahre geändert, als Gerüstbau ein Ausbildungsberuf wurde.

Gerüstbau sei viel mehr als nur das Zusammenstecken der Stangen und Bretter. "Jedes Gerüst muss im Vorfeld gut geplant werden, damit auf der Baustelle nachher alles klappt", erklärt Marie. Welches Gerüst passt zu welchem Gebäude? Welche Sicherheitsvorkehrungen müssen getroffen werden? Wie viel Material und Menschen werden gebraucht?

Kürzlich habe Marie dabei geholfen, ein Gerüst um eine 200 Meter lange und sieben Meter hohe Mauer zu stellen. "Das war toll. Die Baustelle lag direkt an einem Bach, das Team war cool und das Wetter schön. Ein richtig schönes Projekt."

Bessere Karrierechancen durch Ausbildung

Und Marie hat auch schon Pläne für die Zukunft: Als nächstes will sie ihren Meister machen und perspektivisch die Firma des Opas zusammen mit ihrer Schwester übernehmen. "Ich würde den Betrieb gerne noch etwas vergrößern und alles etwas moderner gestalten."

Ihren Meister kann sie machen, weil sie eine abgeschlossene Ausbildung hat. Es gäbe zwar weiterhin viele Gerüstbauer ohne Ausbildung auf den Baustellen. "Das geht, aber dann kommst du halt nicht weiter. Wenn du mal einen eigenen Betrieb haben willst, brauchst du eine Ausbildung.“ Außerdem seien die Verdienstchancen höher.

Ihre Zeit an der Berufsschule habe sie genossen, sie habe viel gelernt, auch wenn es sehr anstrengend gewesen sei. Der Unterricht in Groß-Gerau fand in Blöcken von zwei bis drei Wochen statt, in dieser Zeit wohnte Marie in einem umfunktionierten Hotel, zusammen mit den anderen angehenden Gerüstbauern.

Ausbildung steigert Karrierechancen

Seit kurzem hat die Berufsschule auch ein neu errichtetes Gästehaus mit Verpflegung und Freizeitangeboten. "Schade, dass ich das nicht mehr nutzen kann. Aber auch so war die Zeit in Groß-Gerau super, ich werde sie auf jeden Fall vermissen."

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, Zugangsbeschränkungen gibt es keine. "Eine Schulbildung ist im Prinzip keine Voraussetzung, schadet aber nicht", sagt Klaus Waidhaas, der in Groß-Gerau Gerüstbau unterrichtet. Gerüstbau sei durchaus ein anspruchsvoller Job. "Aber jeder der will, kann es schaffen."

Neben dem Aufbau verschiedener Gerüstarten sind auch Arbeitssicherheit, Statik oder Planung einer Baustelle Themen der Ausbildung in Groß-Gerau. Gerüstbauer und Gerüstbauerinnen würden zudem händeringend gesucht, der Fachkräftemangel sei groß. "Mit einer abgeschlossenen Ausbildung kann man es im Gerüstbau weit bringen, bis hin zu einem eigenen Betrieb", sagt Waidhaas. Im September startet der nächste Jahrgang, eine Anmeldung zur Ausbildung in Groß-Gerau sei aber jetzt schon möglich.

Nichts für "pingelige Mädchen"

Auch wenn Gerüstbauerin ihr Traumjob ist und der Ruf stetig besser werde: Marie möchte ihn anderen Mädchen und Frauen nur eingeschränkt empfehlen. Einerseits wegen des Umgangs auf den Baustellen, andererseits aufgrund der körperlich harten Arbeit.

"Man muss schon richtig anpacken können und sich auch mal dreckig machen." Der Job sei nichts für "pingelige Mädchen". Eine gewisse körperliche uns psychische Stabilität müsse man schon mitbringen.

Frauen, die sich dennoch angesprochen fühlen, rät Marie: "Probiert’s aus. Ich könnte ein bisschen weibliche Verstärkung gebrauchen."

Nordrhein-Westfalen: Stromausfall am Aachener Hauptbahnhof behoben

Ein Regionalzug fährt durch den Hauptbahnhof Aachen
Ein Regionalzug fährt durch den Hauptbahnhof Aachen (© WDR / Christopher C. Franken)

Der Aachener Hauptbahnhof hatte am Sonntagnachmittag keinen Strom. Mittlerweile ist die Stromversorgung vorerst wieder da.

Gegen viertel nach vier ist der Strom an den Gleisen rund um den Aachener Hauptbahnhof plötzlich ausgefallen. Züge sind in der Nähe des Aachener Hauptbahnhofs plötzlich stehen geblieben. Nach rund einer Stunde war das Problem für den Regional- und Fernverkehr wieder behoben.

Mittlerweile ist die Ursache der Störung gefunden: Bei einem Güterzug hatte sich die Ladungssicherung gelöst und war der Oberleitung zu Nahe gekommen. Dadurch wurde die Stromversorgung an der Bahnstrecke gestört.

Weiterhin Verspätungen möglich

Die Bahn schreibt online, dass es noch zu Verspätungen und Teilausfällen bei den Linien RE1, RE9 und RB20 kommen kann. Der Ersatzverkehr mit Bussen wird demnächst eingestellt, weil der Personenverkehr bei Aachen wieder stabil mit Strom versorgt wird.

Probleme gibt es allerdings noch mit dem Güterverkehr. Zwischen Aachen West und Stolberg kann es noch etwas dauern, bis auch der Güterverkehr wieder Strom bekommt und weiterfahren kann.

Unsere Quelle:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Deutsche Bahn
  • zuginfo.nrw

Rheinland-Pfalz: Programm für Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz" steht

Sitzungspräsident und Obermessdiener Andreas Schmitt bei "Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht"
Sitzungspräsident und Obermessdiener Andreas Schmitt bei "Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht" (© SWR)

Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten wird es bei der diesjährigen Fastnachtssendung "Mainz bleibt Mainz" im ZDF geben. Außerdem kann sich das Publikum auf eine Premiere freuen.

Am 13. Februar gibt es eine Premiere im Kurfürstlichen Schloss bei der ersten politischen Rede: Zum ersten Mal in der Geschichte von "Mainz bleibt Mainz" ist nämlich eine Frau die Chefin des Protokolls. Christina Grom übernimmt das Amt von ihrem Vater Erhard Grom. Neben ihr sind wieder bekannte Größen der Mainzer Fastnacht dabei: Johannes Bersch als "Moguntia" und Florian Sitte, der als "Till" der Politik den Spiegel vorhält. Thomas Becker wirft als "Zeitgeist" einen Blick auf die schnelllebigen Entwicklungen des aktuellen Weltgeschehens.

Schmitt wieder Sitzungspräsident

Nach einer Pause aus gesundheitlichen Gründen im vergangenen Jahr wird Andreas Schmitt wieder als Sitzungspräsident durch das Programm führen und später wieder in seiner Paraderolle als "Obermessdiener vom Mainzer Dom" auftreten.

Neben der politisch-literarischen Fastnacht wird es natürlich auch Meenzer Kokolores geben. Jürgen Wiesmann alias "Ernst Lustig" feiert ein Jubiläum - seinen 25. Auftritt in der Fernsehsitzung. Zum letzten Mal wird das Publikum den als "Hobbes" bekannten Hansi Greb sehen. Er verabschiedet sich nach Jahrzehnten von der Bühne.

Frauen-Quartett auf der Bühne

Mit im Programm sind vier Frauen: Katharina Greule, die als Influencerin im Museum gemeinsam mit Laura Heinz, Teresa Betz und Marie Döngi ein bildstarkes Bühnenspektakel liefern werden. Markus Schönberg berichtet von seinen Erlebnissen auf dem Mainzer Marktfrühstück, die er am Klavier in seinem Lied "Wann ist des Frühstück wieder richtig" verarbeitet.

Für musikalische Stimmung sorgen bekannte Größen und ein Newcomer: Oliver Mager, DobbelBock und Shootingstar Marvin Hollederer wollen den Saal mit einem Medley rocken. Für Hollederer alias "Hollebutz" ist es seine TV-Premiere als Solist. Neue Musik gibt es auch von der Band Handkäs un sei Mussig.

Mit dabei sind wieder Thomas Neger und die HUMBAS mit der Hymne "Im Schatten des Doms", die Schnorreswackler und natürlich die Mainzer Hofsänger. Mit ihrem Potpourri aus der 100-jährigen Geschichte des wohl bekanntesten deutschen Fastnachts-Chores geht es dann ins große Finale, unterstützt vom MCV-Hofballett und den Mainzer Garden.

Saarland: Sieg gegen Melsungen: HG Saarlouis festigt Platz an der Tabellenspitze

Spieler der HG Saarlouis gegen Melsungen
Spieler der HG Saarlouis gegen Melsungen (© SR)

Ein Sieg und eine Niederlage: Das ist aus saarländischer Sicht die Bilanz des Handball-Drittliga-Wochenendes. Die HG Saarlouis feierte dabei einen deutlichen Sieg über Melsungen, der TV Homburg ging gegen TuS Opladen als Verlierer vom Platz.

Die HG Saarlouis hat ihr Heimspiel gegen die MT Melsungen am Samstagabend gewonnen und damit ihren Platz an der Tabellenspitze der 3. Liga Südwest gefestigt. Die Gastgeber siegten zuhause deutlich mit 34:25.

Das Spiel verlief über weite Teile ausgeglichen und die Mannschaften gingen mit einem Zwischenstand von 17:14 in die Pause. Danach konnte Melsungen den Abstand noch einmal verringern. Ab der 40. Minute setzte sich die HGS dann aber zunehmend ab und führte zwischenzeitlich mit zehn Toren Vorsprung.

Das nächste Spiel bestreitet Saarlouis am Samstag, 21. Februar, bei der TSG Haßloch.

TV Homburg verliert gegen TuS Opladen

Der TV Homburg hat sein Heimspiel gegen den TuS Opladen dagegen verloren. Die Saarländer unterlagen am Samstagabend den Gästen aus Leverkusen deutlich mit 22:31 und tun sich weiter schwer in der Liga.

Dabei startete das Spiel zunächst ausgeglichen: Der TVH konnte nach den Führungstreffern des TuS Opladen immer wieder anschließen. Zur Halbzeit stand es 11:13. In der zweiten Hälfte setzten sich die Gäste dann aber ab und führten zwischenzeitlich mit zehn Toren Abstand.

Der TVH hielt in der Schlussphase wieder mit, konnte den Rückstand jedoch nicht mehr aufholen. Am kommenden Samstag steht das nächste Pflichtspiel für Homburg an – der Tabellenletzte reist dabei zum Tabellensiebten TSG Münster.

Sachsen: Jugend-Musik-Coaches sollen musikalisches Leben in Sachsen bereichern

Ein Mann gestikuliert, er scheint zu dirigieren. Eine Jugendliche beobachtet ihn dabei.
Ein Mann gestikuliert, er scheint zu dirigieren. Eine Jugendliche beobachtet ihn dabei. (© MDR/Blanka Weber)

Viele junge Menschen begeistern sich für Musik, manche sogar so sehr, dass sie andere Menschen mitreißen und anleiten möchten. Dreißig von ihnen bildet der Sächsische Musikrat derzeit aus – als sogenannte Jugend-Musik-Coaches für Schulen, Musikschulen und für Vereine. Am Wochenende war in Torgau Start dieser Workshopreihe – was dahinter steckt und wer mit macht.

  • Mit der Ausbildung "Jugend-Musik-Coach" werden in Sachsen schulische und außerschulische musikalische Bildung auf besondere Weise unterstützt.
  • Das Programm ist auch darauf ausgelegt, Amateursmusik zu stärken.
  • Für den ersten Ausbildungsdurchgang sind bis Juni Veranstaltungen in ganz Sachsen geplant.

Jonathan kommt aus Lauterbach und ist 15 Jahre alt. Als einer von 30 Jugendlichen beginnt er nun die Ausbildung zum Jugend-Musik-Coach. "Weil ich später Kirchenmusik studieren möchte und das ein logischer Bildungsweg für mich ist, wo ich lerne, Chöre anzuleiten.“

Im selben Jahrgang startet auch Christoph. Er erklärt, er komme aus Dresden und spiele Jazz-Posaune. Sein Traum sei es, einmal eine Band zu leiten – seine eigene, oder eine Schulband. Wie das geht, lernt er im Rahmen der Ausbildung an der Kreismusikschule "Heinrich Schütz" in Torgau.

Breites Programm von Orchester bis Chor

In mehreren Kursen für Orchester, Band und Chor dürfen die angehenden Musikmentoren in verschiedene Bereiche hineinschnuppern. Sie sollen für sich das Richtige finden und dann intensiv lernen – und das alles quasi nebenbei, im Laufe der kommenden Monate an fünf Wochenenden.

Koordinatorin Katja Mangold erklärt, warum das Programm so besonders ist: Existierende Ressourcen seien gut verknüpft worden. Die Ausbildung sei ein Resultat der Zusammenarbeit von Musikschulen, Schulen, Hochschulen, Verbänden und der Kirchenmusik, "die ein Programm gemeinsam geschaffen haben, das den Jugendlichen den Weg zu musikalischer Bildung eröffnet und dazu führt, dass sie das weitergeben können."

Mehr als 50 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren haben sich für die Ausbildung zum Jugend-Musik-Coach beworben, alle mit musikalischer Erfahrung. Etliche wollen später Musik studieren und überlegen bereits jetzt, welche berufliche Richtung sie damit einschlagen wollen.

Musikberufe und Ehrenamt fördern

Ein Ansatz des Programms, so Katja Mangold, sei deshalb, den Weg in die Musikberufe zu fördern und zu erleichtern. Zweitens wolle man Amateurmusik unterstützen. Die jugendlichen Teilnehmer kämen teils von weit entfernt, würden Morgens mehrere Stunden mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen, weiß Mangold. "Sie sollen das Wissen, was sie hier gewonnen haben, in ihren Kontexten – sei es das Blasorchester – einbringen und vor Ort die Amateurmusik bereichern.“

Im Workshop "Band" proben die jungen Musikerinnen und Musiker hochkonzentriert. Schließlich haben sie konkrete Ziele und Ideen, um auf dem gelernten Wissen aufzubauen. So formuliert es auch Paul, der sich auf Kirchenmusik spezialisieren will: "Ich finde es interessant, einspringen zu können, wenn der Kantor mal nicht kann – dass man sich noch ein bisschen mehr einbringt und die Fähigkeiten, die man hat beim Singen, eben auch an andere weitervermitteln kann."

Helena steht neben ihm. Sie ist 15, spielt Querflöte und Klavier und weiß: Später muss es etwas mit Musik sein in ihrem Beruf. Die Ausbildung zum Jugend-Musik-Coach ist für sie eine Chance, sich zu orientieren: "Ich versuche, immer wieder neue Erfahrungen mit Musik zu sammeln, auch neue Leute kennenzulernen, sich mit Musik zu beschäftigen.“

Veranstaltungen in ganz Sachsen geplant

Mit der sprichwörtlichen Kraft der Musik können die Jugend-Musik-Coaches auch etwas zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen. Einer der Jugendlichen erklärt: "Egal in welcher emotionalen Lage, es gibt immer eine Möglichkeit, sich durch Musik berührt, mitgenommen und aufgehoben zu fühlen – sich vielleicht auch nicht einsam zu fühlen – und da hat Musik einen extrem hohen Stellenwert.“ Leipzig, Dresden, Colditz – etliche Orte, viele Begegnungen und einige Workshops stehen bis Juni auf ihrem Programm.

Thüringen: Kita-Schließung in Gera: Sechs Erzieherinnen werden entlassen

Ein Kind steht in einer Kindertagesstätte an einer Glasscheibe
Ein Kind steht in einer Kindertagesstätte an einer Glasscheibe (© picture alliance/dpa-Zentralbild/dpa/Arno Burgi)

In Gera wurden in den vergangenen Jahren deutlich weniger Kinder in Bezug zur Einwohnerzahl geboren als früher. Bald wird ein Kindergarten geschlossen - auch mit Folgen für junge Erzieherinnen.

In Gera werden sechs Kindergärtnerinnen aufgrund der Schließungspläne für einen Kindergarten entlassen. Das bestätigte Geras DRK-Vorstand Michael Scholz MDR THÜRINGEN.

Hintergrund der Schließung der "Kinderwelt" Ende August ist neben der sinkenden Kinderzahl auch der Sanierungsstau. Der Kindergarten ist aktuell nur zur Hälfte ausgelastet. Weil damit die Kosten von etwa 60.000 Euro brutto je Erzieherstelle nicht gedeckt werden könnten, müssten andernfalls die Elternbeiträge um rund 50 Euro pro Monat steigen.

Scholz sagte, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber keine andere Einsatzmöglichkeit für die betreffenden Kolleginnen gefunden. Die Kündigung sei mit Blick auf die Schließung im Sommer langfristig ausgesprochen worden, damit sich die Erzieherinnen nach Alternativen umsehen könnten. Betroffen seien wegen der Sozialauswahl vor allem junge Mitarbeiterinnen.

Deutlicher Geburtenrückgang in Gera

Die "Kinderwelt" ist der erste Kindergarten in Gera, der aufgrund des demografischen Wandels geschlossen wird. Die Pläne waren im November bekannt geworden. In den vergangenen Jahren wurden in Gera deutlich weniger Kinder in Bezug zur Einwohnerzahl geboren als früher.

Nachdem man vor drei Jahren noch Erzieher gesucht habe, schlage dieser Geburtenrückgang nun voll durch. Das DRK plant, die Kinder der betroffenen Einrichtung mit ihren Bezugserzieherinnen in einem gut einen Kilometer entfernten DRK-Kindergarten unterzubringen.

Hamburg: Neue Streumittel: Hamburger Stadtreinigung startet Pilotversuche

Ein Bagger der Hamburger Stadtreinigung belädt ein Fahrzeug mit Streumittel.
Ein Bagger der Hamburger Stadtreinigung belädt ein Fahrzeug mit Streumittel. (© picture alliance/dpa | Bodo Marks)

Split, Sand oder ausnahmsweise Salz: In Privathaushalten wird meist nicht viel rumprobiert, welches Streumittel am besten wirkt und auch am umweltverträglichsten ist. Die Hamburger Stadtreinigung hingegen testet immer wieder neue Streumittel.

Derzeit laufen in Hamburg gleich zwei Pilotversuche auf Radwegen. Wirksamkeit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit sind dabei wichtige Kriterien, erklärt Johann Gerner-Beuerle von der Stadtreinigung.

Natriumformiat an Teststrecke Heidenkampsweg

"Das Natriumformiat, das wir jetzt testen, ist im Wesentlichen ein Stoff, der zum Beispiel auch in Ameisensäure enthalten ist. Entsprechend ist er aber auch ziemlich teuer in der Beschaffung", so Gerner-Beuerle. Dafür ist Natriumformiat ein Granulat, das man mit den normalen Streuwagen ausbringen könnte. Getestet wird es an der Teststrecke Heidenkampsweg.

Feuchtsalz auf Radwegen am Veritas- und Sandtorkai

Anders sieht es beim Pilotversuch Radwege am Veritas- und Sandtorkai aus. Dort wird flüssiges Feuchtsalz getestet. "Bei der Sole ist es im Prinzip umgekehrt, da wäre eine technische Umrüstung notwendig, um die auszubringen. Dafür können wir sie aber selbst herstellen, weil wir dafür eine Anlage haben", sagt Gerner-Beuerle.

Bis entschieden wird, welcher Stoff künftig Hamburgs Radwege schnee- und eisfrei machen soll, dauert es aber noch. Die Pilotversuche sind auf fünf Jahre ausgelegt.

Mecklenburg-Vorpommern: Warnung vor dem Betreten von Eisflächen

Der Leuchtturm in Sassnitz ist bedeckt mit Eis. Das Wasser ist gefroren.
Der Leuchtturm in Sassnitz ist bedeckt mit Eis. Das Wasser ist gefroren. (© Wasserschutzpolizei)

Die Wasserschutzpolizei warnt eindringlich vor dem Betreten von Eisflächen der Ostsee. Strömungen, Wind und Salzwasser machen das Eis instabil - es bestehe akute Lebensgefahr.

Vielerorts werden die Schlittschuhe ausgepackt, um ein paar Runden auf den zugefrorenen Gewässern zu drehen und für viele ist es ein besonderer Moment, einmal auf der Ostsee zu stehen. Doch die Wasserschutzpolizei warnt davor. Insbesondere im Bereich des Hafens Sassnitz (Landkreis Vorpommern-Rügen) und der dortigen Fahrrinne besteht akute Gefahr. Durch Strömungen, Schiffsverkehr und wechselnde Wassertiefen bildet sich dort kein tragfähiges Eis. Die Eisdecken sind ungleichmäßig, instabil und können jederzeit unvermittelt einbrechen, teilte die Polizei mit.

Ostsee: Eisdecke ohne Tragkraft

Auch außerhalb der Häfen ist die Eisbildung an der Ostsee trügerisch. Wind, Wellengang und salzhaltiges Wasser verhindern eine sichere Eisstärke. Selbst scheinbar geschlossene Eisflächen bieten keine ausreichende Tragfähigkeit für Personen. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, Eisflächen zu betreten, zu begehen oder für Freizeitaktivitäten zu nutzen. Im Falle eines Einbruchs besteht aufgrund der Wassertemperaturen und der Eisverhältnisse akute Lebensgefahr. Rettungsmaßnahmen sind unter diesen Bedingungen extrem schwierig und bringen auch Einsatzkräfte in Gefahr.

Niedersachsen: Grauer Himmel, milde Temperaturen: Tauwetter in Niedersachsen

Rehe (Capreolus capreolus) überspringen einen Graben im Emsland.
Rehe (Capreolus capreolus) überspringen einen Graben im Emsland. (© dpa, imageBROKER | Erhard Nerger)

Die Temperaturen liegen auch zum Wochenstart in Niedersachsens vielerorts über den Gefrierpunkt. Meist bleibt es dabei bedeckt, im Südwesten kann es aber auch auflockern.

In der Nacht zum Montag ist es den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge überwiegend bedeckt, meist niederschlagsfrei, aber verbreitet kann es nebelig sein. Am Montag wird es wieder bedeckt und gebietsweise anhaltend neblig-trüb, im Südwesten sind aber ein paar Auflockerungen möglich. Die Tageshöchstwerte liegen dann zwischen 0 Grad im Wendland und 5 Grad in der Grafschaft Bentheim. Dabei gibt es schwachen, an der Küste mäßigen Südostwind. Auch wenn die Temperaturen größtenteils über dem Gefrierpunkt liegen, gibt es weiterhin Fahrplanänderungen im Fährverkehr zu den ostfriesischen Inseln.

Tauwetter: Achtung vor Dachlawinen

Auch bei einsetzendem Tauwetter müssen Hauseigentümer, Hausverwaltung oder Mieterinnen und Mieter haften, wenn etwa aufgrund einer Dachlawine ein Passant verletzt wird oder ein Schaden an einem Auto entsteht, wie der ADAC auf seiner Webseite mitteilt. Dabei sei für Schadenersatzansprüche entscheidend, ob Verkehrssicherungspflichten vernachlässigt wurden. Auch die Stadt Braunschweig hatte bereits bei Tauwetter im Januar daran erinnert, dass Eigentümerinnen und Eigentümer verpflichtet seien, Schneebretter und Eiszapfen zu entfernen, wenn von ihnen eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen könnte. Sollte dies nicht möglich sein, müsse der Gefahrenbereich unverzüglich fachgerecht abgesperrt werden, hieß es.

Schleswig-Holstein: Zugefrorene Ostsee: Mehrere Menschen im Eis eingebrochen

Menschen gehen am Ufer der zugefrorenen Ostsee spazieren
Menschen gehen am Ufer der zugefrorenen Ostsee spazieren (© Daniel Friederichs)

Das Eis auf der Ostsee in Scharbeutz hat in den vergangenen Tagen viele Schaulustige angelockt. Immer wieder waren Menschen auch auf der Eisfläche unterwegs - am Wochenende brachen einige von ihnen ein.

Angelockt vom Eis auf der Ostsee sind am Sonntag wieder zahlreiche Menschen in Scharbeutz im Kreis Ostholstein am Strand unterwegs gewesen. Erneut hat es einige von ihnen auf die Eisflächen gezogen - und das trotz des Tauwetters. Feuerwehr und Polizei warnen davor, das Eis zu betreten. Die Gefahr einzubrechen sei zu groß. Nach Angaben der Retter hat es am Sonntag aber keinen größeren Einsatz mehr in Scharbeutz gegeben.

Mehrere Einsätze am Wochenende

Gefährlich bleiben die Spaziergänge trotzdem: Erst am Sonnabend mussten die Einsatzkräfte mehrfach ausrücken, weil Menschen auf dem Eis spazieren waren und dabei einbrachen. Wie Feuerwehr und Polizei mitteilten, wurden die Kräfte am Vormittag fast stündlich zu Einsätzen nach Scharbeutz alarmiert. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand, die meisten Menschen schafften es selbst aus dem Eis heraus.

Mann bricht mit Hund im Eis ein

Der erste Einsatz sei am Sonnabend schon kurz vor zehn Uhr gewesen, berichtet die Freiwillige Feuerwehr Scharbeutz. Ein Mann und sein Hund waren auf dem Eis eingebrochen. Der Mann konnte sich selbst helfen, er bekam aber seinen Hund nicht sofort aus dem Wasser. Die Einsatzkräfte konnten das Tier retten. Auch am Freitagabend war laut Feuerwehr bereits eine Person eingebrochen und musste gerettet werden. Sie blieb unverletzt.

Warnung: Eis soll nicht betreten werden

Die Einsatzkräfte warnen eindringlich vor Spaziergängen auf den Eisflächen - das sei lebensgefährlich. Auch die Bürgermeisterin von Scharbeutz, Bettina Schäfer (parteilos), ruft dazu auf, das Eis nicht zu betreten. Die Lage sei unberechenbar. "Unberechenbar", betonte sie, es könne an einer Stelle fest wirken und wenige Meter weiter plötzlich hauchdünn sein. Dazu kämen Wind, Strömungen, Wellen und die wechselnden Temperaturen.

Außerdem sollten Eltern ihre Kinder über die Gefahren auf dem Eis aufklären, so Schäfer weiter. In den vergangenen Tagen wurden immer wieder auch Familien samt Kindern auf dem Eis der Scharbeutzer Ostsee beobachtet.

Auch andernorts in Norddeutschland warnen Einsatzkräfte und Behörden vor dem Betreten der Eisflächen, so zum Beispiel im Bereich der Ostseeküste vor Rügen.

Tauwetter: Eis fängt an zu schmelzen

Darüber hinaus herrscht laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in Schleswig-Holstein aktuell Tauwetter. Die Temperaturen liegen nur knapp um die 0-Grad-Celsius-Marke. Bis Donnerstag sollen die Temperaturen von Südwesten her milder werden und auf 4 Grad Celsius steigen.